Wirtschaft & Politik
IMK: Deutsche Wirtschaft steuert auf zähe Stagnation zu
04.10.2012 - 11:00 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
Von Gisela Simon
Die deutsche Konjunktur wird nach Ansicht eines führenden Forschungsinstituts zunehmend von der Krise des Euroraums belastet und steuert auf eine zähe Stagnation zu. "Selbst eine Rezession kann nicht ausgeschlossen werden", heißt es im Prognose-Update des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Im Jahresdurchschnitt 2012 wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Schätzung des IMK voraussichtlich um 0,6 Prozent und im kommenden Jahr nur um 0,4 Prozent wachsen. Damit bestätigt das Institut seine Prognose von Ende Juni für 2012 und hebt die Prognose für 2013 geringfügig an. Im Juni war für 2013 ein Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert worden.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland dürfte wieder zunehmen. Die Arbeitslosenquote werde von 6,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2012 im kommenden Jahr auf 7,0 Prozent steigen. Das gesamtstaatliche Defizit dürfte in diesem Jahr dank hoher Steuer- und Beitragseinnahmen weiter auf 0,2 Prozent des BIP zurückgehen und sich im kommenden Jahr nicht weiter verringern.
Der Euroraum rutscht nach Einschätzung des Instituts tiefer in die Rezession, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) und die Regierungen der Euroraum-Länder in den vergangenen Monaten wichtige Schritte zur Entschärfung der Krise unternommen haben. Wegen der andauernden Austeritätspolitik erwartet das IMK weiterhin, dass das Euroraum-BIP im Jahresdurchschnitt 2012 um 0,5 Prozent sinken wird. Für 2013 wird ein Schrumpfen um 0,7 Prozent prognostiziert.
Das IMK rechnet damit, dass die EZB den Leitzins im Herbst abermals um einen Viertel Prozentpunkt auf 0,50 Prozent senkt und durch die tatsächliche Umsetzung der jüngsten Beschlüsse auch eine weitere Verringerung der Renditen auf Staatsanleihen der Krisenländer erreicht. Das IMK drängt darauf, den Krisenländern des Euroraums mehr Zeit für die Konsolidierungsmaßnahmen zu geben.
Die Gefahr einer steigenden Inflation durch die EZB-Politik ist laut IMK gering. Der Euroraum tendiere eher zu einer Disinflation. Sollte es mittelfristig zu einer Erholung kommen, sei die EZB problemlos in der Lage, die Liquiditätsausstattung zu reduzieren. Sollte die Krise allerdings nicht zügig beendet werden, "nehmen die in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgetürmten, stark risikobehafteten Forderungen und Verbindlichkeiten weiter zu und die wirtschaftliche Schwäche setzt sich fort". Damit bestehe die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Euroraums.
Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/sgs/apo
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October 04, 2012 05:00 ET (09:00 GMT)
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Die deutsche Konjunktur wird nach Ansicht eines führenden Forschungsinstituts zunehmend von der Krise des Euroraums belastet und steuert auf eine zähe Stagnation zu. "Selbst eine Rezession kann nicht ausgeschlossen werden", heißt es im Prognose-Update des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Im Jahresdurchschnitt 2012 wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Schätzung des IMK voraussichtlich um 0,6 Prozent und im kommenden Jahr nur um 0,4 Prozent wachsen. Damit bestätigt das Institut seine Prognose von Ende Juni für 2012 und hebt die Prognose für 2013 geringfügig an. Im Juni war für 2013 ein Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert worden.
Der Euroraum rutscht nach Einschätzung des Instituts tiefer in die Rezession, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) und die Regierungen der Euroraum-Länder in den vergangenen Monaten wichtige Schritte zur Entschärfung der Krise unternommen haben. Wegen der andauernden Austeritätspolitik erwartet das IMK weiterhin, dass das Euroraum-BIP im Jahresdurchschnitt 2012 um 0,5 Prozent sinken wird. Für 2013 wird ein Schrumpfen um 0,7 Prozent prognostiziert.
Das IMK rechnet damit, dass die EZB den Leitzins im Herbst abermals um einen Viertel Prozentpunkt auf 0,50 Prozent senkt und durch die tatsächliche Umsetzung der jüngsten Beschlüsse auch eine weitere Verringerung der Renditen auf Staatsanleihen der Krisenländer erreicht. Das IMK drängt darauf, den Krisenländern des Euroraums mehr Zeit für die Konsolidierungsmaßnahmen zu geben.
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