Clever anlegen - Nur die besten Tage vom Dax mitnehmen
29.08.2012 - 09:00 | Quelle: Investmentecke
Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen! Was Aschenputtel in Grimms Märchen bei den Linsen mit Hilfe der Tauben so hervorragend gelang, soll an der Börse ebenfalls funktionieren. Denn auch an den Aktienmärkten gibt es bekanntlich gute und schlechte Tage, wenn man die Performance als Gradmesser nimmt. Und nach zahlreichen Untersuchungen lässt sich dabei sogar eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen. Um den Monatswechsel herum liefern die Märkte nämlich eine deutlich bessere Performance als an den anderen Tagen. Die möglichen Gründe dafür sind bekannt: Privatanleger (in Form von Gehältern oder Mieteinnahmen), Fondsgesellschaften (über Sparpläne) und auch Pensionskassen erhalten um den Monatswechsel herum frische Liquidität, die zumindest teilweise an den Märkten angelegt wird. Das stützt die Kurse. Auf der anderen Seite werden gerade zur Monatsmitte oftmals wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht, was die Gefahr starker Kursschwankungen und damit auch das Risiko deutlicher fallender Notierungen erhöhen soll.
Die UBS hat basierend auf dieses Überlegungen und Daten jetzt ein "Dax On/Off"-Zertifikat aufgelegt, bei dem das Anlegerkapital immer am fünftletzten Handelstag eines Monats zum Schlusskurs in den Dax investiert und am dritten Handelstag des neues Monats ebenfalls zum Schlusskurs wieder abgezogen wird. Insgesamt partizipieren Anleger damit in jedem Monat sieben volle Handelstage an der Performance des Index. Den Rest der Zeit wird das Geld zum Eonia-Zinssatz angelegt. In den vergangenen zehn Jahren hätte man mit einer solchen Strategie sein Kapital mehr als vervierfacht, während der Dax selbst "nur" um knapp 90 Prozent gestiegen ist. Der Großteil dieser Outperformance resultiert aus den Jahren 2007 und 2008, als der Dax massiv an Wert verlor und der Strategie-Index, auch dank damals noch deutlich höherer Zinsen, unter dem Strich sogar zulegen konnte. Das Zertifikat, welches diese Strategie abbildet, ist seit zwei Wochen im Handel und seit Montagabend (bis einschließlich kommenden Mittwoch) zum ersten Mal im Dax investiert. Die UBS verlangt für die regelmäßigen Umschichtungen eine Managementgebühr von 0,35 Prozent pro Jahr (WKN: UBS1EM).
Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht. Eine ähnliche Strategie verfolgt bereits seit einigen Jahren das Ende 2005 aufgelegte Open End Zertifikat auf den RBS Alpha Deutschland Index. Bei einer deutlich höheren Managementgebühr von jährlich einem Prozent ist das Geld hier immer an den letzten zwei und den ersten vier Handelstagen eines Monats sowie zwei Tage vor bis vier Tage nach einem Feiertag im Dax investiert. Den Rest der Zeit wird das Kapital wieder zum Tagesgeldsatz angelegt. In der Rückrechnung hatte dieser Index ebenfalls eine beachtliche Outperformance gezeigt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren (von 1985 an) hatte der Emittent für den Index unter Abzug aller Kosten eine jährliche Rendite von gut 15 Prozent ermittelt, während der Dax in dieser Phase pro Jahr "nur" gut neun Prozent hatte zulegen können. In der Praxis hat sich die positive Entwicklung aber leider noch nicht wiederholt. Seit Auflegung vor knapp sieben Jahren konnte das Zertifikat zwar 15 Prozent an Wert gewinnen. Der Dax hat währenddessen aber doppelt so viel zugelegt. Und das, obwohl während des Crashs 2008 mit der Teil-Investitions-Strategie zwar keine Gewinne, aber doch eine deutlich Outperformance erzielt wurde. Dafür hat man gerade in den starken Aufschwungphasen des Marktes zu viel Performance liegen gelassen. Unter dem Strich ist die Wertentwicklung mit Blick auf die verheißungsvollen Backtests daher enttäuschend (WKN: ABN2GB). Bleibt abzuwarten, wie sich die leicht modifizierte Strategie der UBS im Praxistest an den Börsen schlagen wird.
Investmentecke Die exklusive Anlagekolumne von Ralf Andreß und Thomas Koch
Exklusiv auf finanztreff.de besprechen Ralf Andreß und Thomas Koch täglich interessante Produkte und Anlagestrategien rund um den Derivatebereich.
Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit beinahe 15 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate zum "Journalist des Jahres" gekürt.
Thomas Koch ist CEFA-Invest-mentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit 2004 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte und ist u.a. für das Fachmagazin "Der Zertifikateberater" und hauptverantwortlich für den Newsletter "Platow Derivate" tätig.