Freie Wahl: Minusrendite beim Bund oder 5,75% + Dollar-Chance
18.07.2012 - 09:00 | Quelle: Investmentecke
Es ist soweit. Wer sein Anlagegeld in zwei Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit unbeschadet zurückbekommen möchte, der muss inzwischen drauf zahlen. Zumindest bei hochwertigen Schuldnern wie der Bundesrepublik Deutschland, deren Anleihen im Ein- oder Zwei-Jahresbereich inzwischen negative Renditen aufweisen. Soll heißen: Das kurios anmutende Versprechen "Gib mir heute 100 Euro und du bekommst in zwei Jahren 99,50 zurück" ist für eine ganze Reihe von Investoren offenbar immer noch so attraktiv, dass sie ihr Geld lieber dem deutschen Staat aufdrängen als damit irgendwo sonst nach Erträgen zu suchen, die wenigstens die Inflation ausgleichen würden. Um bei der (Vorsteuer-)Rendite halbwegs mit der zuletzt wieder etwas gesunkenen Rate der Geldentwertung von 1,7 Prozent Schritt zu halten, muss mittlerweile auf Bundesanleihen mit Laufzeit bis ins Jahr 2027 zurückgegriffen werden. Wobei natürlich nicht gesagt ist, dass die Teuerungsrate über diesen langen Zeitraum tatsächlich in dem Rahmen der EZB-Zielzone von zwei Prozent pro Jahr bleibt.
Eine mögliche Alternative zu den trostlosen Anleihen der Noch-Nicht-im-Euro-Strudel-Länder aus dem nördlichen Europa liefern Bonds aus den aufstrebenden Schwellenländern, bei denen die Ratingagenturen anders als bei den Europäern seit einiger Zeit regelmäßige verbesserte Bonitätsmarken setzen. Vontobel greift die Idee jetzt auf und bietet ein Basketzertifikat für zehn solcher Anleihen bis 27. Juli zur Zeichnung an (WKN: VT5K48).
Der Anleihekorb enthält insgesamt vier Staatsanleihen und sechs Unternehmensanleihen aus Brasilien, Mexiko, Russland, China, Indonesien und der Türkei. Die Kupons reichen von 3,875 Prozent beim chinesischen Mineralölkonzern China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) bis zu 9,0 Prozent bei dem mexikanischen Baustoffhersteller Cemex. Da die meisten enthaltenen Anleihen seit ihrer Auflegung bereits stark im Wert gestiegen sind, liegen die aktuellen Renditen aber meist unter den ausgewiesenen Kupons. Im Schnitt kommen sie aber immer noch auf 5,75 Prozent pro Jahr, wobei die regelmäßigen Zinserträge in den Anleihekorb reinvestiert werden, sodass Anleger bis zum Laufzeitende im Januar 2017 sowohl an möglichen Kursgewinnen als auch an den Zinserträgen eins zu eins partizipieren. Hinzu kommt dann noch eine gehörige Portion Dollar-Chance (und Risiko!). Denn die Anleihen wurden allesamt in US-Dollar begeben und werden folglich auch in US-Währung abgerechnet.
Der entscheidende Vorteil einer solchen Korblösung besteht für Kleinsparer darin, dass sie mit einem Schlag (und nur einmal zu zahlenden Transaktionsgebühren) ein diversifiziertes Paket von Anleihen bekommen, anstatt sich bei einem Direktinvestment nur auf ein einzelnes Land oder einen einzelnen Konzern verlassen zu müssen.
Riskant bleibt das Ganze natürlich trotzdem - schließlich gilt heute mehr denn je: Nur wo ein bisschen gehobelt wird, fallen auch ein paar brauchbare Rendite-Späne. Wer es ganz sicher haben will, der muss dann eben doch den garantierten Kaufkraftverlust bei Bundesanleihen in Kauf nehmen.
Investmentecke Die exklusive Anlagekolumne von Ralf Andreß und Thomas Koch
Exklusiv auf finanztreff.de besprechen Ralf Andreß und Thomas Koch täglich interessante Produkte und Anlagestrategien rund um den Derivatebereich.
Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit beinahe 15 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate zum "Journalist des Jahres" gekürt.
Thomas Koch ist CEFA-Invest-mentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit 2004 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte und ist u.a. für das Fachmagazin "Der Zertifikateberater" und hauptverantwortlich für den Newsletter "Platow Derivate" tätig.