Wirtschaft & Politik
WDH: UBS will keinen Vergleich im Libor-Skandal
16.08.2012 - 18:13 | Quelle: dpa-AFX
ZÜRICH (dpa-AFX) - Die schweizerische Großbank UBS hofft im Libor-Skandal auf Straffreiheit. Anders als der britische Konkurrent Barclays strebe das Institut keinen Vergleich mit den Aufsichtsbehörden an, sagte Verwaltungsratschef Axel Weber dem 'Handelsblatt' (Freitag). Die UBS sei eine der ersten Banken gewesen, die 2010 Verdachtsmomente an die Behörden gemeldet hätten. 'Daher haben wir als eine der ersten Institutionen bedingte Immunität, also einen Kronzeugenstatus, erhalten. Wir haben umfassende Untersuchungen angestellt, die die ganze Zeit von 2005 bis 2010 abdecken', sagte der frühere Bundesbank-Chef, der seit Mai das Kontrollgremium bei der schweizerischen Bank anführt. Die Untersuchungen seien nicht folgenlos geblieben: 'Wir haben disziplinarische und organisatorische Konsequenzen gezogen.' Details wollte er 'aus aufsichtsrechtlichen Gründen' nicht nennen.
Weber mahnte mit Blick auf die Zinsmanipulationen einen Kulturwandel in der Bankbranche an: 'Ich bin davon überzeugt, dass der Veränderungsprozess in der Bankenbranche viel umfassender ist, als viele das heute wahrhaben wollen.' Er betonte, dass die Branche neues Vertrauen aufbauen müsse. 'Das geht nur über einen grundlegenden Strukturwandel in der Finanzindustrie.'
Dabei werde es auch schmerzliche Strukturveränderungen geben. 'Diejenigen, die zu lange an die Rückkehr der Vergangenheit glauben, werden meines Erachtens in der Zukunftsgestaltung hinterherhinken', sagte Weber. Es werde eine Rückbesinnung auf das Primärgeschäft geben, die Beratung und Finanzierung von Unternehmen. 'In Zukunft wird es für Banker wieder wichtiger sein, ob man den Kunden kennt.' Derivategeschäfte würden hingegen eine geringere Rolle spielen. 'Solange die Kunden das Gefühl haben, die Bank betreibe Geschäfte nur aus Eigennutz und nicht für den Kunden, wird kein neues Vertrauen aufgebaut.'
Die UBS verkleinert als einen ersten Schritt ihr Investmentbanking. 'Den Eigenhandel haben wir praktisch schon eingestellt', sagte Weber. Eine Zerschlagung der Universalbanken als Folge aus den Skandalen im Investmentbanking lehnt Weber aber ab. Solange Fehlanreize ausgeschlossen würden, Risiken im Investmentbanking zu Lasten der Kunden im Privatkundengeschäft einzugehen, spreche vieles für das Universalbankensystem./enl/stb/he
Quelle: dpa-AFX
Weber mahnte mit Blick auf die Zinsmanipulationen einen Kulturwandel in der Bankbranche an: 'Ich bin davon überzeugt, dass der Veränderungsprozess in der Bankenbranche viel umfassender ist, als viele das heute wahrhaben wollen.' Er betonte, dass die Branche neues Vertrauen aufbauen müsse. 'Das geht nur über einen grundlegenden Strukturwandel in der Finanzindustrie.'
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