Wirtschaft & Politik
BMWi rechnet mit schwächerer Konjunkturentwicklung auch wegen Schuldenkrise
10.08.2012 - 09:51 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
BERLIN--Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland vor allem wegen der europäischen Schuldenkrise mit erheblichen Risiken belastet und ist inzwischen weniger zuversichtlich.
Die deutsche Wirtschaft erweise sich zwar "in einem schwierigen europäischen Umfeld weiterhin als recht robust", heißt es in dem aktuellen Monatsbericht des Ministeriums zur wirtschaftlichen Lage im August. Die gesamtwirtschaftliche Leistung dürfte im zweiten Quartal moderat zugenommen haben. "Das Geschäftsklima in Deutschland trübte sich allerdings merklich ein und signalisiert das Risiko einer schwächeren Entwicklung in den kommenden Monaten", heißt es weiter.
Nach dem wachstumsstarken ersten Quartal habe sich die Dynamik angesichts einer auch international etwas schwächeren Entwicklung erwartungsgemäß merklich abgeschwächt. Vor allem die Schuldenkrise in einigen Ländern des Euroraums wirke erneut belastend, schüre Verunsicherung und führe zu Zurückhaltung in der Wirtschaft. Das habe seinen Ausdruck in der Entwicklung der einschlägigen Stimmungsindikatoren gefunden. "Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben daher auch erst einmal verhalten und sind mit erheblichen Risiken behaftet", schreiben die Konjunkturexperten des Ministeriums.
Die nach dem verhaltenen Winterhalbjahr aufkeimende Hoffnung auf eine rasche Belebung der Weltwirtschaft haben sich laut BMWi nach der erneuten Verschärfung der Banken- und Euroschuldenkrise als verfrüht erwiesen. Nach wie vor bleibe die leichte Erholungstendenz der Weltwirtschaft "vorerst fragil".
Positiv aufgestellt sehen die Ministeriumsexperten die deutsche Exportwirtschaft, erwarten für die kommenden Monate jedoch mehr Gegenwind. "Dank ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit und einem stark nachgefragten Produktsortiment bleibt der Trend der deutschen Ausfuhren auch angesichts schwächerer Absatzmärkte aufwärts gerichtet", schreiben die Experten. Die Ausfuhren seien im zweiten Quartal um 1,6 Prozent gestiegen. Der Rückgang der Ausfuhren im Juni um 1,5 Prozent sei jedoch "ein Warnsignal". Aus Ministeriumssicht dürften die Impulse aus dem Außenhandel daher in den kommenden Monaten "moderater ausfallen".
Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe erweise sich bislang als beachtenswert stabil. Dem nur leichten Rückgang der Industrieproduktion um 0,5 Prozent im zweiten Quartal habe ein kräftiger Anstieg der Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 4,4 Prozent gegenübergestanden. Der Bau werde weiter durch niedrige Zinsen und ein verändertes Anlegerverhalten begünstigt. Die Perspektiven für die Industrie seien demgegenüber "verhaltener". Darauf deuteten die deutlich gesunkenen Stimmungsindikatoren für die Industrie sowie die geringere Nachfragedynamik.
Den Beschäftigungsaufschwung am Arbeitsmarkt beurteilen die Ministeriumsexperten als "weiter intakt", wenn auch hier erste Abschwächungszeichen auszumachen sind. Die Aufwärtsdynamik des Arbeitsmarktes habe nachgelassen und die per saldo positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Monaten durch die zögerliche konjunkturelle Entwicklung weiter gedämpft werden, schreiben die Ministeriumsexperten.
Die steigende Beschäftigung und die teilweise kräftigen Lohnerhöhungen schaffen laut BMWi weiter günstige Einkommens- und Konsumperspektiven als Voraussetzung für eine robuste binnenwirtschaftliche Nachfrage. So dürften die privaten Konsumausgaben im zweiten Quartal erneut zum Wachstum der Gesamtnachfrage beigetragen haben. Die allmähliche Abschwächung des Preisanstiegs auf Prozent im Juli habe diese Entwicklung unterstützt. "Gerade vor diesem Hintergrund ist bei der Energiewende darauf zu achten, dass der erstarkte private Konsum nicht durch steigende Strompreise abgewürgt wird", heißt es im Bericht.
Kontakt zum Autor: beate.preuschoff@dowjones.com
DJG/bep/hab
END) Dow Jones Newswires
August 10, 2012 03:51 ET (07:51 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
Die deutsche Wirtschaft erweise sich zwar "in einem schwierigen europäischen Umfeld weiterhin als recht robust", heißt es in dem aktuellen Monatsbericht des Ministeriums zur wirtschaftlichen Lage im August. Die gesamtwirtschaftliche Leistung dürfte im zweiten Quartal moderat zugenommen haben. "Das Geschäftsklima in Deutschland trübte sich allerdings merklich ein und signalisiert das Risiko einer schwächeren Entwicklung in den kommenden Monaten", heißt es weiter.
Die nach dem verhaltenen Winterhalbjahr aufkeimende Hoffnung auf eine rasche Belebung der Weltwirtschaft haben sich laut BMWi nach der erneuten Verschärfung der Banken- und Euroschuldenkrise als verfrüht erwiesen. Nach wie vor bleibe die leichte Erholungstendenz der Weltwirtschaft "vorerst fragil".
Positiv aufgestellt sehen die Ministeriumsexperten die deutsche Exportwirtschaft, erwarten für die kommenden Monate jedoch mehr Gegenwind. "Dank ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit und einem stark nachgefragten Produktsortiment bleibt der Trend der deutschen Ausfuhren auch angesichts schwächerer Absatzmärkte aufwärts gerichtet", schreiben die Experten. Die Ausfuhren seien im zweiten Quartal um 1,6 Prozent gestiegen. Der Rückgang der Ausfuhren im Juni um 1,5 Prozent sei jedoch "ein Warnsignal". Aus Ministeriumssicht dürften die Impulse aus dem Außenhandel daher in den kommenden Monaten "moderater ausfallen".
Den Beschäftigungsaufschwung am Arbeitsmarkt beurteilen die Ministeriumsexperten als "weiter intakt", wenn auch hier erste Abschwächungszeichen auszumachen sind. Die Aufwärtsdynamik des Arbeitsmarktes habe nachgelassen und die per saldo positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Monaten durch die zögerliche konjunkturelle Entwicklung weiter gedämpft werden, schreiben die Ministeriumsexperten.
Die steigende Beschäftigung und die teilweise kräftigen Lohnerhöhungen schaffen laut BMWi weiter günstige Einkommens- und Konsumperspektiven als Voraussetzung für eine robuste binnenwirtschaftliche Nachfrage. So dürften die privaten Konsumausgaben im zweiten Quartal erneut zum Wachstum der Gesamtnachfrage beigetragen haben. Die allmähliche Abschwächung des Preisanstiegs auf Prozent im Juli habe diese Entwicklung unterstützt. "Gerade vor diesem Hintergrund ist bei der Energiewende darauf zu achten, dass der erstarkte private Konsum nicht durch steigende Strompreise abgewürgt wird", heißt es im Bericht.
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