Wirtschaft & Politik
KORREKTUR/Coeure bekräftigt bedingte Interventionsbereitschaft der EZB
06.08.2012 - 12:14 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
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In der um 4.00 Uhr gesendeten Meldung wird Benoit Coeure irrtümlich als EZB-Chefvolkswirt bezeichnet. Er ist jedoch einfach nur Mitglied des EZB-Direktoriums. Es folgt eine korrigierte Fassung der Meldung)
Von Hans Bentzien
Benoit Coeure, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), hat die Bereitschaft der EZB bekräftigt, unter bestimmtem Voraussetzungen Staatsanleihen von Staaten mit Refinanzierungsproblemen zu kaufen, um deren Renditen zu senken. In einem Interview mit der Zeitung Hospodarske Noviny machte Coeure zudem deutlich, dass die EZB derzeit keine Pläne dafür hat, die Refinanzierungssituation von Banken an der Euro-Peripherie zu verbessern. Außerdem äußerte er sich skeptisch zu Einführung einer Finanztransaktionssteuer allein im Euroraum und zum jetzigen Zeitpunkt.
Wörtlich sagte der Franzose dem Blatt: "Der EZB-Rat hat bei seiner Sitzung am 2. August klar gemacht, dass er keine höheren Anleiherenditen akzeptieren wird, wenn diese aus der Angst vor einer Rückabwicklung des Euro resultieren. Der Euro ist unumkehrbar." Coeure bekräftigte zudem die von EZB-Präsident Mario Draghi aufgestellten Bedingungen für Anleihekäufe der EZB: "Die Regierungen müssen bereit sein, die Rettungsfonds EFSF/ESM im Anleihemarkt zu reaktivieren - unter strikten und wirksamen Bedingungen. Innerhalb ihres Mandats der Aufrechterhaltung von Preisstabilität und in strikter Unabhängigkeit könnte die EZB dann Anleihekäufe beschließen."
Das EZB-Direktoriumsmitglied deutete zudem wie Draghi an, dass sich die EZB bei diesen Käufen keine so starke Selbstbeschränkung wie bei ihrem bisherigen Staatsanleihekäufen auferlegen würde. Diese waren stets als "endlich" und "begrenzt" bezeichnet worden. Die möglichen neuen Käufe will die EZB dagegen laut Coeure so tätigen, dass ihr Ziel, eine Senkung der Anleiherenditen, erreicht werden kann. Nach Angaben des Franzosen wird die EZB bei Erfordernis außerdem weitere unkonventionelle Maßnahmen prüfen.
Coeure deutete an, dass der EZB-Rat derzeit nicht darüber nachdenkt, die Liquiditätsversorgung der Banken in Peripherieländern zu verbessern. Auf die Frage, wie die EZB mit dem Rückgang der Einlagen bei griechischen und spanischen Banken umgehe, sagte der Franzose, die EZB versorge gesunde Banken, die über ausreichend Sicherheiten verfügten, mit Liquidität. "Insofern sind die Einlagen bei griechischen und spanischen Banken stabil." Zusätzliche Maßnahmen in dieser Richtung plane die EZB aber nicht, fügte er hinzu.
Zur Idee einer europäischen Finanztransaktionssteuer, an der Großbritannien, Schweden und Tschechien nicht teilnähmen, äußerte sich Coeure skeptisch. Die ökonomische Theorie sage, dass effiziente Steuern möglichst breit, aber mit niedrigen Sätzen erhoben würden, sagte er. Zudem dürfe bei der Einführung einer solchen Steuer angesichts einer beunruhigend niedrigen Liquidität die Finanzstabilität nicht außer Acht gelassen werden.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/chg
END) Dow Jones Newswires
August 06, 2012 06:14 ET (10:14 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
In der um 4.00 Uhr gesendeten Meldung wird Benoit Coeure irrtümlich als EZB-Chefvolkswirt bezeichnet. Er ist jedoch einfach nur Mitglied des EZB-Direktoriums. Es folgt eine korrigierte Fassung der Meldung)
Von Hans Bentzien
Wörtlich sagte der Franzose dem Blatt: "Der EZB-Rat hat bei seiner Sitzung am 2. August klar gemacht, dass er keine höheren Anleiherenditen akzeptieren wird, wenn diese aus der Angst vor einer Rückabwicklung des Euro resultieren. Der Euro ist unumkehrbar." Coeure bekräftigte zudem die von EZB-Präsident Mario Draghi aufgestellten Bedingungen für Anleihekäufe der EZB: "Die Regierungen müssen bereit sein, die Rettungsfonds EFSF/ESM im Anleihemarkt zu reaktivieren - unter strikten und wirksamen Bedingungen. Innerhalb ihres Mandats der Aufrechterhaltung von Preisstabilität und in strikter Unabhängigkeit könnte die EZB dann Anleihekäufe beschließen."
Das EZB-Direktoriumsmitglied deutete zudem wie Draghi an, dass sich die EZB bei diesen Käufen keine so starke Selbstbeschränkung wie bei ihrem bisherigen Staatsanleihekäufen auferlegen würde. Diese waren stets als "endlich" und "begrenzt" bezeichnet worden. Die möglichen neuen Käufe will die EZB dagegen laut Coeure so tätigen, dass ihr Ziel, eine Senkung der Anleiherenditen, erreicht werden kann. Nach Angaben des Franzosen wird die EZB bei Erfordernis außerdem weitere unkonventionelle Maßnahmen prüfen.
Zur Idee einer europäischen Finanztransaktionssteuer, an der Großbritannien, Schweden und Tschechien nicht teilnähmen, äußerte sich Coeure skeptisch. Die ökonomische Theorie sage, dass effiziente Steuern möglichst breit, aber mit niedrigen Sätzen erhoben würden, sagte er. Zudem dürfe bei der Einführung einer solchen Steuer angesichts einer beunruhigend niedrigen Liquidität die Finanzstabilität nicht außer Acht gelassen werden.
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