Kommentare - Bernd Niquet
Neue Wirtschaftsordnung
20.07.2012 - 16:00 | Quelle: Bernd Niquet
Kann sich eigentlich noch jemand an die Ladenschlussgesetze erinnern? Als wir von Montag bis Freitag stets bis halb sieben in die Läden gehastet sind, um uns mit allem Nötigen zu versorgen?
Das Statistische Bundesamt hat gerade veröffentlicht, dass in Deutschland mittlerweile fast 16 Millionen Menschen allein leben, das ist jeder fünfte, von den 18- bis 34-Jährigen sogar ein Viertel. Insgesamt sind die Zahlen der Alleinlebenden im Vergleich zu 1991 um 40 Prozent gestiegen. Gründe dafür seien unter anderem, dass im Berufsleben immer mehr Mobilität gefordert ist.
Kulturelle und ökonomische Entwicklungen laufen hier Hand in Hand. Heute wollen sich die meisten nicht mehr binden, es wird ihnen aber auch keine Bindung mehr angeboten. Vor zwanzig oder dreißig Jahren noch waren die meisten Jobs Lebensjobs. Wer heute hingegen einen Arbeitsvertrag unterschreibt, unterschreibt in der Regel einen Zeitvertrag.
Ich erinnere mich noch an die Auseinandersetzungen mit meinem Vater, als es damals um den Ladenschluss ging. Da hatte er gesagt: Das bringt gar nichts, die Ladenöffnungszeiten auszuweiten. Dadurch wird nicht mehr gekauft, dabei steigen nur die Preise.
Ich denke, er hat im Prinzip Recht gehabt: Es wird heute nicht mehr verkauft (über die normalen Steigerungsraten des BIP hinaus, die es sowieso gegeben hätte), nur dass die Preise nicht gestiegen sind, dafür jedoch die Löhne gefallen. Was im Endeffekt jedoch auf das Gleiche herauskommt.
Und man braucht keine Verschwörungstheorie, um den großen Plan dahinter zu erkennen: Den Unternehmen geht es glänzend wie nie, und die Reichen sind immer reicher geworden. Alle Liberalisierungsmaßnahmen haben zu einer großen Umverteilung von unten nach oben geführt.
Das war geplant, beginnend mit Reagan und Thatcher auf den Kapitalmärkten, doch niemand hat es so recht gemerkt. Heute jedoch spüren wir es alle.
Bernd Niquet, im Juli 2012
berndniquet@t-online.de
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