Kommentare - Bernd Niquet
Lasst sie ruhig alle aufs Spielfeld
25.05.2012 - 16:00 | Quelle: Bernd Niquet
Wir sind zu einer Gesellschaft geworden, die für alles und jeden Verständnis aufbringt. Jede Minderheit besitzt heute mehr Rechte als die Mehrheit. Wer in ein Fußballstadion geht und das Spielfeld stürmt, ist eben einfach ein bisschen zu sehr begeistert. Und wer den Rasen mitnimmt und die Tore demontiert, na, du meine Güte, das sind doch alles liebe Andenkensammler.
Was da nach den Vorkommnissen beim letzten Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC jetzt abläuft, ist ein Nichts. Man hätte sich gewünscht, dass hier einmal ein Paukenschlag kommen möge, dass es so nicht weiter geht. Doch nichts dergleichen passiert.
Der Fall wird vielmehr in viele kleine Teilfälle zerlegt. Zunächst geht es um die Wertung des Spiels. Das Urteil in der ersten Instanz wirkt befremdlich. Ich hätte da nicht in der Auswärtsmannschaft stehen mögen. Andererseits kann man den Skandalauftritt der Berliner auch nicht belohnen. Doch über all das wird ja gar nicht entschieden. Es geht vielmehr um formale Schiedsrichterentscheidungen.
Und dann natürlich die Anreize, die von diesem unwürdigen Nachspiel gesetzt wurden. Steht es einmal kurz vor Schluss schlecht um die heimische Mannschaft, öffnet man schnell die Tore und lässt die Fans auf den Platz. Damit sie den Gegner mit ihrer Begeisterung und Liebe plattdrücken. Souvenirs in Form von Rasenstücken und Torteilen sind dabei natürlich fest versprochen.
Auch dass Leibesvisitationen der Fans durch das Hausrecht der Vereine nicht gedeckt sind, klingt wie ein übler Scherz. So jedoch kann jeder Böller und bengalische Lichter ungehindert am Körper ins Stadion tragen. Und hinterher regt man sich dann darüber auf, dass diese angezündet werden.
Das alles hat weder Hand noch Fuß, keinen Anfang und kein Ende. Aber vielleicht muss das beim Fußball so sein. Und Köpfe sind ja auch rund, selbst wenn sie nicht rollen. Um den Kreis zu quadrieren, müsste man erst einmal wissen, wie groß sein Umfang genau ist.
Bernd Niquet, im Mai 2012
berndniquet@t-online.de
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