Marktberichte
MÄRKTE EUROPA/"Tiger Draghi landet als Bettvorleger"
02.08.2012 - 18:31 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
Von Benjamin Krieger
Hoch gepokert und verloren. Deutlicher hätten die Reaktionen der Finanzmärkte auf die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi nicht sein können: Aktienkurse und der Euro gingen in die Knie, während der sichere Hafen Bundesanleihe nach oben schoss. Draghi ließ der Ankündigung von vergangener Woche in London, alles zur Rettung des Euros zu tun, auf der Pressekonferenz in Frankfurt kaum Details folgen.
Der DAX, der noch kurz vor der Rede Draghis auf ein Dreimonatshoch gestiegen war, brach innerhalb von nur 20 Minuten um 240 Punkte ein. Analysten legten den Finger in die Wunde: "Draghi hat den Blumenstrauß möglicher Maßnahmen zwar weit aufgefächert, ist Details aber schuldig geblieben", sagte Lutz Karpowitz von der Commerzbank.
Die Europäische Zentralbank ist nach den Worten Draghis zwar bereit, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Draghi machte jedoch auch klar, dass zunächst die Regierungen die Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM aktivieren müssten. Das wiederum bedeutet, dass die EZB keine Staatsanleihen kaufen wird, ehe nicht Spanien offiziell Hilfen über den Euro-Rettungsfonds EFSF beantragt.
Drastisch formulierte es Ralf Zimmermann vom Vermögensverwalter Döttinger-Straubinger: "Draghi ist als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet." Der EZB-Präsident sei sehr allgemein geblieben und habe letztlich nur die Aussagen seiner Rede in London wiederholt. "Die Kapitalmärkte werden sich mit Worten nicht zufrieden geben, sondern Taten sehen wollen", meinte Zimmermann.
Auf der Flucht aus Risiko in Sicherheit
Die zu rettende Gemeinschaftswährung war in den ersten Minuten der Rede Draghis zum Dollar mit 1,2406 Dollar auf den höchsten Stand seit vier Wochen gestiegen. Als immer klarer wurde, dass der EZB-Präsident die hoch gesteckten Erwartungen der Anleger nicht erfüllen würde, brach der Euro innerhalb von 40 Minuten zur US-Währung um mehr als zweieinhalb US-Cent ein auf 1,2174 Dollar. Auch zum Yen und Pfund Sterling geriet der Euro unter Druck. Nach einer kurzen Stabilisierung fiel der Euro sogar unter 1,2150 Dollar.
Ähnlich fulminant wie die Kurssprünge an den Aktien- und Devisenmärkten war die Reaktion an den Rentenmärkten. Der Bund-Future, ein viel gehandelter Terminkontrakt auf deutsche Bundesanleihen, schoss in kurzer Zeit um fast zwei Prozentpunkte nach oben. Investoren setzten also angesichts der enttäuschenden Aussagen Draghis auf Nummer sicher.
Auch die ebenfalls als sicher geltenden französischen Staatsanleihen verbuchten hohe Kursgewinne. "Der ganze Markt verkauft risikoreiche Anlagen und kauft stattdessen Sicherheit", beschrieb ein Händler das Marktgeschehen. An den Kreditmärkten zogen die Prämien, die Investoren für Absicherungen gegen einen Schuldnerausfall in der Eurozone zahlen müssen, kräftig an.
Banken und Versicherer lassen Federn
An Europas Börsen drehten die Kurse auf breiter Front nach Süden. Banken und Versicherungen meldeten die größten Kurseinbußen. Bankenaktien verloren im Schnitt 3 Prozent und Versicherer 2,8 Prozent. Das Wohl und Wehe der europäischen Finanzbranche hängt an den Fortschritten zur Lösung der Schuldenkrise. Sie sitzen nach wie vor auf Beständen von Staatsanleihen der Eurozone-Peripherie. Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen schossen am Nachmittag erneut in die Höhe.
Aktien der spanischen Großbanken BBVA und Santander verloren jeweils mehr als sechs Prozent. Papiere der italienischen Bank Intesa-SanPaolo brachen sogar um neun Prozent ein. Auch die deutschen Bankenaktien kamen nicht ungeschoren davon: Commerzbank büßten 6,2 Prozent ein und Deutsche Bank 5,3 Prozent.
Unter den Börsenplätzen meldeten Madrid und Mailand, also die Börsen der beiden großen Schuldenkandidaten in der Eurozone, die größten Kursverluste. In Madrid rutschte der IBEX-35 um 5,2 Prozent ab, in Mailand verlor der MIB-Index 4,6 Prozent.
Gute Quartalszahlen stützen hier und da die Kurse
Nur wenige der 30 DAX-Werte konnten sich der Abwärtstendenz entziehen. Es waren vor allem die Aktien der Unternehmen, die Geschäftsergebnisse veröffentlichten. So stiegen Aktien von Beiersdorf um 7,6 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Dazu trug vor allem die gute Entwicklung auf den Wachstumsmärkten bei. Der Umsatz erhöhte sich um 5,5 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro.
Aktien der Deutschen Post zogen um 2,3 Prozent an. Die Konjunkturkrise geht fast spurlos an der Deutschen Post vorbei. Auch im zweiten Quartal liefen die Geschäfte vor allem dank Asien gut.
Die Deutsche Lufthansa hat den operative Gewinn im zweiten Quartal wider Erwarten gesteigert. Das verhalf den Aktien zunächst zu Kursgewinnen, bevor sie im Fahrwasser der allgemeinen Kursschwäche ebenfalls nachgaben und 1,3 Prozent schwächer schlossen.
Das Geschäft des Autozulieferers Continental läuft trotz der schwierigen Wirtschaftslage so rund, dass der Konzern die Ziele für Umsatz und Marge für das laufende Jahr erhöht haben. Anleger danken es mit einem Kursaufschlag von 2,1 Prozent.
Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG ist operativ weiter auf Wachstumskurs, hat wegen Rückstellungen für ein Kartellverfahren allerdings weniger verdient als erhofft. Die Aktie verlor 5 Prozent.
In Paris fielen Aktien der französischen Bank BNP-Paribas trotz recht solider Quartalsergebnisse im Sog der schwachen Märkte um mehr als vier Prozent zurück. Die Papiere des italienischen Versicherers Generali büßten in Mailand nach Quartalszahlen sogar 6,4 Prozent ein.
Die Aktien des Stahlkonzerns ArcelorMittal verbilligten sich um 8,8 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Bonitätsnote des Unternehmens auf "BB+" von "BBB-" zurückgestuft.
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. Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2263,36 -70,02 -3,0% -2,3
. Stoxx-50 2472,55 -20,08 -0,8% 4,3
. Stoxx-600 259,28 -3,29 -1,3% 6,0
Frankfurt XETRA-DAX 6606,09 -148,37 -2,2% 12,0
London FTSE-100 5662,30 -50,52 -0,9% 1,7
Paris CAC-40 3232,46 -89,10 -2,7% 2,3
Amsterdam AEX 322,16 -5,55 -1,7% 3,1
Athen ATHEX-20 213,02 -3,94 -1,8% -19,6
Brüssel BEL-20 2241,60 -47,66 -2,1% 7,6
Budapest BUX 17302,46 -232,74 -1,3% 1,9
Helsinki OMXH-25 1899,02 -48,17 -2,5% -2,2
Kopenhagen OMXC-20 479,38 -2,22 -0,5% 22,9
Lissabon PSI 20 4648,33 -79,29 -1,7% -16,8
Madrid IBEX-35 6720,00 -346,60 -5,2% -25,6
Mailand FTSE-MIB 13282,55 -646,04 -4,6% -12,0
Moskau RTS 1385,50 2,49 +0,2% 0,3
Oslo OBX 387,16 -5,20 -1,3% 8,3
Prag PX 889,30 -5,00 -0,6% -2,4
Stockholm OMXS-30 1058,10 -7,82 -0,7% 7,1
Warschau WIG-20 2170,95 -17,68 -0,8% 1,2
Wien ATX 1945,46 -50,79 -2,5% 2,8
Zürich SMI 6407,30 8,03 +0,1% 7,9
DEVISEN zuletzt '+/- % Do, 9.10 Uhr Mi, 18.00 Uhr
EUR/USD 1,2152 -0,72% 1,2240 1,2299
EUR/JPY 95,0708 -1,02% 96,0530 96,1810
EUR/CHF 1,2012 -0,03% 1,2016 1,2013
USD/JPY 78,2200 -0,30% 78,4580 78,2055
GBP/USD 1,5499 -0,32% 1,5549 1,5594
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DJG/bek/cln
END) Dow Jones Newswires
August 02, 2012 12:31 ET (16:31 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
Hoch gepokert und verloren. Deutlicher hätten die Reaktionen der Finanzmärkte auf die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi nicht sein können: Aktienkurse und der Euro gingen in die Knie, während der sichere Hafen Bundesanleihe nach oben schoss. Draghi ließ der Ankündigung von vergangener Woche in London, alles zur Rettung des Euros zu tun, auf der Pressekonferenz in Frankfurt kaum Details folgen.
Die Europäische Zentralbank ist nach den Worten Draghis zwar bereit, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Draghi machte jedoch auch klar, dass zunächst die Regierungen die Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM aktivieren müssten. Das wiederum bedeutet, dass die EZB keine Staatsanleihen kaufen wird, ehe nicht Spanien offiziell Hilfen über den Euro-Rettungsfonds EFSF beantragt.
Drastisch formulierte es Ralf Zimmermann vom Vermögensverwalter Döttinger-Straubinger: "Draghi ist als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet." Der EZB-Präsident sei sehr allgemein geblieben und habe letztlich nur die Aussagen seiner Rede in London wiederholt. "Die Kapitalmärkte werden sich mit Worten nicht zufrieden geben, sondern Taten sehen wollen", meinte Zimmermann.
Die zu rettende Gemeinschaftswährung war in den ersten Minuten der Rede Draghis zum Dollar mit 1,2406 Dollar auf den höchsten Stand seit vier Wochen gestiegen. Als immer klarer wurde, dass der EZB-Präsident die hoch gesteckten Erwartungen der Anleger nicht erfüllen würde, brach der Euro innerhalb von 40 Minuten zur US-Währung um mehr als zweieinhalb US-Cent ein auf 1,2174 Dollar. Auch zum Yen und Pfund Sterling geriet der Euro unter Druck. Nach einer kurzen Stabilisierung fiel der Euro sogar unter 1,2150 Dollar.
Ähnlich fulminant wie die Kurssprünge an den Aktien- und Devisenmärkten war die Reaktion an den Rentenmärkten. Der Bund-Future, ein viel gehandelter Terminkontrakt auf deutsche Bundesanleihen, schoss in kurzer Zeit um fast zwei Prozentpunkte nach oben. Investoren setzten also angesichts der enttäuschenden Aussagen Draghis auf Nummer sicher.
Auch die ebenfalls als sicher geltenden französischen Staatsanleihen verbuchten hohe Kursgewinne. "Der ganze Markt verkauft risikoreiche Anlagen und kauft stattdessen Sicherheit", beschrieb ein Händler das Marktgeschehen. An den Kreditmärkten zogen die Prämien, die Investoren für Absicherungen gegen einen Schuldnerausfall in der Eurozone zahlen müssen, kräftig an.
Banken und Versicherer lassen Federn
An Europas Börsen drehten die Kurse auf breiter Front nach Süden. Banken und Versicherungen meldeten die größten Kurseinbußen. Bankenaktien verloren im Schnitt 3 Prozent und Versicherer 2,8 Prozent. Das Wohl und Wehe der europäischen Finanzbranche hängt an den Fortschritten zur Lösung der Schuldenkrise. Sie sitzen nach wie vor auf Beständen von Staatsanleihen der Eurozone-Peripherie. Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen schossen am Nachmittag erneut in die Höhe.
Aktien der spanischen Großbanken BBVA und Santander verloren jeweils mehr als sechs Prozent. Papiere der italienischen Bank Intesa-SanPaolo brachen sogar um neun Prozent ein. Auch die deutschen Bankenaktien kamen nicht ungeschoren davon: Commerzbank büßten 6,2 Prozent ein und Deutsche Bank 5,3 Prozent.
Unter den Börsenplätzen meldeten Madrid und Mailand, also die Börsen der beiden großen Schuldenkandidaten in der Eurozone, die größten Kursverluste. In Madrid rutschte der IBEX-35 um 5,2 Prozent ab, in Mailand verlor der MIB-Index 4,6 Prozent.
Gute Quartalszahlen stützen hier und da die Kurse
Nur wenige der 30 DAX-Werte konnten sich der Abwärtstendenz entziehen. Es waren vor allem die Aktien der Unternehmen, die Geschäftsergebnisse veröffentlichten. So stiegen Aktien von Beiersdorf um 7,6 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Dazu trug vor allem die gute Entwicklung auf den Wachstumsmärkten bei. Der Umsatz erhöhte sich um 5,5 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro.
Aktien der Deutschen Post zogen um 2,3 Prozent an. Die Konjunkturkrise geht fast spurlos an der Deutschen Post vorbei. Auch im zweiten Quartal liefen die Geschäfte vor allem dank Asien gut.
Die Deutsche Lufthansa hat den operative Gewinn im zweiten Quartal wider Erwarten gesteigert. Das verhalf den Aktien zunächst zu Kursgewinnen, bevor sie im Fahrwasser der allgemeinen Kursschwäche ebenfalls nachgaben und 1,3 Prozent schwächer schlossen.
Das Geschäft des Autozulieferers Continental läuft trotz der schwierigen Wirtschaftslage so rund, dass der Konzern die Ziele für Umsatz und Marge für das laufende Jahr erhöht haben. Anleger danken es mit einem Kursaufschlag von 2,1 Prozent.
Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG ist operativ weiter auf Wachstumskurs, hat wegen Rückstellungen für ein Kartellverfahren allerdings weniger verdient als erhofft. Die Aktie verlor 5 Prozent.
In Paris fielen Aktien der französischen Bank BNP-Paribas trotz recht solider Quartalsergebnisse im Sog der schwachen Märkte um mehr als vier Prozent zurück. Die Papiere des italienischen Versicherers Generali büßten in Mailand nach Quartalszahlen sogar 6,4 Prozent ein.
Die Aktien des Stahlkonzerns ArcelorMittal verbilligten sich um 8,8 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Bonitätsnote des Unternehmens auf "BB+" von "BBB-" zurückgestuft.
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. stand absolut in % seit
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Europa Euro-Stoxx-50 2263,36 -70,02 -3,0% -2,3
. Stoxx-50 2472,55 -20,08 -0,8% 4,3
. Stoxx-600 259,28 -3,29 -1,3% 6,0
Frankfurt XETRA-DAX 6606,09 -148,37 -2,2% 12,0
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GBP/USD 1,5499 -0,32% 1,5549 1,5594
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Im Artikel erwähnt...
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-0,41% 2.765,40 DJSTOXX E-STOXX 50
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