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Bochumer Opelaner zittern weiter
21.05.2012 - 12:51 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
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Von Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
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BOCHUM (Dow Jones)--Das Bangen am Opel-Standort Bochum geht weiter. Die Belegschaftsversammlung am Montagmorgen mit Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke brachte nicht die erhoffte Klarheit darüber, wie es mit dem von der Schließung bedrohten Werk weitergehen wird. Die mehr als 3.000 anwesenden Opelaner waren enttäuscht und machten ihrem Unmut Luft.
Es habe keine Antwort auf die Frage gegeben, was nach dem Auslaufen des Standortsicherungsvertrages Ende 2014 mit dem Bochumer Werk geschehe, sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel. Er forderte das Management auf, schnellstmöglich einen Sanierungsplan vorzustellen.
Seit sich Opel offiziell dazu entschieden hat, den Verkaufsschlager Astra ab 2015 nicht mehr am Stammsitz in Rüsselsheim sondern in Polen und England zu fertigen, geht in der Stadt in Nordrhein-Westfalen die Angst um. Denn laut Gewerkschaftern erwägt der defizitäre Autobauer, als Ausgleich den in Bochum montierten Van Zafira nach Hessen zu verlagern, um das hessische Werk auszulasten. Der Standort in der Ruhr-Stadt mit seinen mehr als 3.200 Mitarbeitern könnte dann vor dem Aus stehen.
Es gebe klare Hinweise für Pläne, den Zafira aus Bochum abzuziehen, sagte Einenkel. "Wir werden uns das Fahrzeug nicht wegnehmen lassen", machte er klar.
Das Opel-Management um Vorstandschef Karl-Friedrich hatte in den vergangenen Wochen - so auch auf der Betriebsversammlung - gebetsmühlenartig bekräftigt, sich an geltende Verträge halten zu wollen. Seit der letzten Sanierungsrunde bei der Traditionsmarke mit dem Blitz sind Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis 2015 ausgeschlossen. Damals wurden rund 8.000 Arbeitsplätze abgebaut, der Standort im belgischen Antwerpen wurde dichtgemacht.
Für die hoch verschuldete Stadt Bochum wäre der Verlust des Werkes eine Katastrophe, schließlich ist der Autobauer der größte verbliebene industrielle Arbeitgeber dort. Von dem Schock, dass Nokia 2008 sein Handy-Werk schloss und tausende Arbeitsplätze wegfielen, hat sich die Stadt immer noch nicht erholt.
Kein Wunder, dass es sich die frisch im Amt bestätigte nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht nehmen ließ, ihre Solidarität zu bekunden. Opel habe in Bochum eine Zukunft, sagte die SPD-Politikerin.
Die Bundesländer mit Opel-Standorten verträten eine gemeinsame Linie und ließen sich nicht gegeneinander ausspielen, betonte Kraft. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren". Die Arbeitnehmervertreter kritisierten zuletzt, dass das Mangement Zugeständnisse an den verschiedenen Standorten erpresse.
Kraft forderte eine Wachstumsstrategie für Opel und eine Perspektive für alle deutschen Standorte. Opel fertigt in Deutschland in Rüsselsheim, in Bochum, in Eisenach und in Kaiserslautern. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin erklärte ihre Bereitschaft, gemeinsam mit der Unternehmensspitze nach Lösungen zu suchen und dafür auch nach Detroit zur Muttergesellschaft General Motors zu fliegen.
Dass bei Opel etwas passieren muss, ist nach eigenem Bekunden allen Beteiligten bewusst.
Denn trotz zahlreicher Sanierungsanläufe bescherte das Europa-Geschäft der Konzernmutter General Motors seit der Jahrtausendwende insgesamt zweistellige Milliardenverluste. Mit der Schuldenkrise in Europa verschärfte sich die Situation deutlich, da Opel in hohem Maß vom alten Kontinent abhängig ist.
Momentan streiten sich Management und Arbeitnehmer über die Frage, wie die Rückkehr in die Erfolgsspur geschafft werden soll. Die Belegschaftsvertreter halten Werksschließungen für zu teuer und unnötig. Sie wollen stattdessen die Überkapazitäten mit verstärkten Exporten und durch die Rückholung von Produkten auslasten, die in Asien gefertigt werden sollen. Opel-Chef Stracke will im nächsten Monat einen umfassenden Unternehmensplan vorlegen, der das krisengebeutelte Unternehmen wieder in die Gewinnzone führen soll.
Auf der Betriebsversammlung sagte Unternehmenslenker Stracke, der früher selbst in Bochum tätig war, dass der Plan am 28. Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden soll. Eine Entscheidung, was nach Ablauf des Standortsicherungsvertrages Ende 2014 geschehe, sei noch nicht gefallen.
Solange es keinen Unternehmensplan gebe, werde die Belegschaft keine Arbeitnehmerbeiträge zur Sanierung des Unternehmens leisten, sagte Rainer Einenkel. Im Zuge der Sanierung 2010 hatten die Arbeitnehmer europaweit zugestimmt, über Lohnverzicht 265 Millionen Euro jährlich beizutragen. Alleine aus Bochum kamen seither rund mehr als 40 Millionen Euro. "Verzicht wird es nicht mehr geben", sagte Einenkel. "Wir werden nicht für unsere eigene Beerdigung zahlen".
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- Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com
DJG/ncs/kla
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May 21, 2012 06:51 ET (10:51 GMT)
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BOCHUM (Dow Jones)--Das Bangen am Opel-Standort Bochum geht weiter. Die Belegschaftsversammlung am Montagmorgen mit Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke brachte nicht die erhoffte Klarheit darüber, wie es mit dem von der Schließung bedrohten Werk weitergehen wird. Die mehr als 3.000 anwesenden Opelaner waren enttäuscht und machten ihrem Unmut Luft.
Seit sich Opel offiziell dazu entschieden hat, den Verkaufsschlager Astra ab 2015 nicht mehr am Stammsitz in Rüsselsheim sondern in Polen und England zu fertigen, geht in der Stadt in Nordrhein-Westfalen die Angst um. Denn laut Gewerkschaftern erwägt der defizitäre Autobauer, als Ausgleich den in Bochum montierten Van Zafira nach Hessen zu verlagern, um das hessische Werk auszulasten. Der Standort in der Ruhr-Stadt mit seinen mehr als 3.200 Mitarbeitern könnte dann vor dem Aus stehen.
Es gebe klare Hinweise für Pläne, den Zafira aus Bochum abzuziehen, sagte Einenkel. "Wir werden uns das Fahrzeug nicht wegnehmen lassen", machte er klar.
Für die hoch verschuldete Stadt Bochum wäre der Verlust des Werkes eine Katastrophe, schließlich ist der Autobauer der größte verbliebene industrielle Arbeitgeber dort. Von dem Schock, dass Nokia 2008 sein Handy-Werk schloss und tausende Arbeitsplätze wegfielen, hat sich die Stadt immer noch nicht erholt.
Kein Wunder, dass es sich die frisch im Amt bestätigte nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht nehmen ließ, ihre Solidarität zu bekunden. Opel habe in Bochum eine Zukunft, sagte die SPD-Politikerin.
Die Bundesländer mit Opel-Standorten verträten eine gemeinsame Linie und ließen sich nicht gegeneinander ausspielen, betonte Kraft. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren". Die Arbeitnehmervertreter kritisierten zuletzt, dass das Mangement Zugeständnisse an den verschiedenen Standorten erpresse.
Kraft forderte eine Wachstumsstrategie für Opel und eine Perspektive für alle deutschen Standorte. Opel fertigt in Deutschland in Rüsselsheim, in Bochum, in Eisenach und in Kaiserslautern. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin erklärte ihre Bereitschaft, gemeinsam mit der Unternehmensspitze nach Lösungen zu suchen und dafür auch nach Detroit zur Muttergesellschaft General Motors zu fliegen.
Dass bei Opel etwas passieren muss, ist nach eigenem Bekunden allen Beteiligten bewusst.
Denn trotz zahlreicher Sanierungsanläufe bescherte das Europa-Geschäft der Konzernmutter General Motors seit der Jahrtausendwende insgesamt zweistellige Milliardenverluste. Mit der Schuldenkrise in Europa verschärfte sich die Situation deutlich, da Opel in hohem Maß vom alten Kontinent abhängig ist.
Momentan streiten sich Management und Arbeitnehmer über die Frage, wie die Rückkehr in die Erfolgsspur geschafft werden soll. Die Belegschaftsvertreter halten Werksschließungen für zu teuer und unnötig. Sie wollen stattdessen die Überkapazitäten mit verstärkten Exporten und durch die Rückholung von Produkten auslasten, die in Asien gefertigt werden sollen. Opel-Chef Stracke will im nächsten Monat einen umfassenden Unternehmensplan vorlegen, der das krisengebeutelte Unternehmen wieder in die Gewinnzone führen soll.
Auf der Betriebsversammlung sagte Unternehmenslenker Stracke, der früher selbst in Bochum tätig war, dass der Plan am 28. Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden soll. Eine Entscheidung, was nach Ablauf des Standortsicherungsvertrages Ende 2014 geschehe, sei noch nicht gefallen.
Solange es keinen Unternehmensplan gebe, werde die Belegschaft keine Arbeitnehmerbeiträge zur Sanierung des Unternehmens leisten, sagte Rainer Einenkel. Im Zuge der Sanierung 2010 hatten die Arbeitnehmer europaweit zugestimmt, über Lohnverzicht 265 Millionen Euro jährlich beizutragen. Alleine aus Bochum kamen seither rund mehr als 40 Millionen Euro. "Verzicht wird es nicht mehr geben", sagte Einenkel. "Wir werden nicht für unsere eigene Beerdigung zahlen".
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