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WSJ: Citigroup steht womöglich Milliardenabschreibung ins Haus
22.02.2012 - 10:21 | Quelle: Dow Jones Newswire Web
Von Suzanne Kapner und Aaron Lucchetti
The Wall Street Journal
NEW YORK (Dow Jones)--Der US-Großbank Citigroup Inc droht eine Milliardenabschreibung auf seine Minderheitsbeteiligung an dem Brokerhaus Morgan Stanley Smith Barney. Die Wertberichtigung könnte den gesamten Gewinn des vergangenen Quartals aufzehren. Auf bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar wird die Abschreibung nach Steuern geschätzt, im abgelaufenen Quartal erwirtschaftete die Citigroup 1,2 Milliarden Dollar Gewinn.
Seit dem Jahr 2009 betreibt die Citigroup das Brokerhaus als Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Bank Morgan Stanley. Ab diesem Frühjahr kann Morgan Stanley damit beginnen, die Citigroup aus dem Joint Venture herauszukaufen. Wichtigster Streitpunkt: Beide Unternehmen müssen sich auf einen Kaufpreis einigen.
In den Büchern der Citigroup wird das Joint Venture nach Angaben eines Analysten der Credit Suisse mit 20 Milliarden Dollar bewertet, das sind 5 Milliarden mehr als Morgan Stanley bilanziert. Der Grund für den Unterschied: Beide Großbanken setzen für ihre in das Gemeinschaftsunternehmen eingebrachten Vermögensgegenstände unterschiedliche Werte an.
Die vergangenen Jahre haben die Bewertung noch verkompliziert. Das Joint Venture bringt nach Meinung von Analysten heute nicht mehr so viel Dollar auf die Geldwaage wie bei der Gründung. Der stürmische Aktienmarkt, die schwache Wirtschaft und die langsame Integration der beiden Unternehmensteile wirkten wie ein Mühlstein auf den Schultern des Brokerhauses. Entsprechend verlief das Buhlen um Anlagegelder neuer Kunden schleppend.
Morgan Stanley hat allerdings auch ein Interesse, den Wertverlust besonders hoch zu veranschlagen, um den Kaufpreis zu drücken, während die Citigroup versuchen wird, den ursprünglich in der Bilanz gebuchten Betrag aufrechtzuerhalten. Eine hohe Abschreibung könnte bei der Citigroup auch Kritiker auf den Plan rufen. Diese könnten die Art, wie die Citigroup ihre Vermögensgegenstände bilanziert, in Frage stellen. Die Citigroup wollte sich dazu nicht äußern.
Unstimmigkeiten über den Kaufpreis dürften den Deal aber zumindest nicht platzen lassen. Es wird erwartet, dass Morgan Stanley ihren Anteil von 51 Prozent auf 65 Prozent ausbauen wird. Die US-Großbank besitzt weitere Kaufoptionen in den kommenden Jahren und wird Morgan Stanley Smith Barney wahrscheinlich bis zum Jahr 2014 komplett übernehmen. Dann dürfte der Zusatz Smith Barney wegfallen.
Die Vollübernahme ist ein Schlüsselelement der Strategie von Morgan-Stanley-Chef James Gorman, die Abhängigkeit vom Sales & Trading-Geschäft zu reduzieren. Auch die Citigroup könnte von dem Deal profitieren und zusätzliches Kapital in ihre Kassen spülen. Zudem könnte die Nummer 3 auf dem US-Bankenmarkt sich stärker auf ihren Kernbereich - das Filial- und Kreditgeschäft -konzentrieren.
Obwohl das Gemeinschaftsunternehmen einst mit viel Optimismus startete, kam Morgan Stanley Smith Barney nie richtig weg vom Fleck. Die Vorsteuermarge lag 2011 bei rund 10 Prozent und damit gerade einmal bei der Hälfte des von Morgan Stanley anvisierten Werts. Die Kundeneinlagen fielen um etwa 20 Milliarden Dollar auf 1,65 Billionen Dollar zurück. Vor diesem Hintergrund macht der angepeilte Neustart durchaus Sinn.
-Von Suzanne Kapner und Aaron Lucchetti, The Wall Street Journal;
+49 (0)69 29725 111; unternehmen.de@dowjones.com
DJG/DJN/axw/nas
(END) Dow Jones Newswires
February 22, 2012 04:21 ET (09:21 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
The Wall Street Journal
NEW YORK (Dow Jones)--Der US-Großbank Citigroup Inc droht eine Milliardenabschreibung auf seine Minderheitsbeteiligung an dem Brokerhaus Morgan Stanley Smith Barney. Die Wertberichtigung könnte den gesamten Gewinn des vergangenen Quartals aufzehren. Auf bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar wird die Abschreibung nach Steuern geschätzt, im abgelaufenen Quartal erwirtschaftete die Citigroup 1,2 Milliarden Dollar Gewinn.
Seit dem Jahr 2009 betreibt die Citigroup das Brokerhaus als Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Bank Morgan Stanley. Ab diesem Frühjahr kann Morgan Stanley damit beginnen, die Citigroup aus dem Joint Venture herauszukaufen. Wichtigster Streitpunkt: Beide Unternehmen müssen sich auf einen Kaufpreis einigen.
In den Büchern der Citigroup wird das Joint Venture nach Angaben eines Analysten der Credit Suisse mit 20 Milliarden Dollar bewertet, das sind 5 Milliarden mehr als Morgan Stanley bilanziert. Der Grund für den Unterschied: Beide Großbanken setzen für ihre in das Gemeinschaftsunternehmen eingebrachten Vermögensgegenstände unterschiedliche Werte an.
Die vergangenen Jahre haben die Bewertung noch verkompliziert. Das Joint Venture bringt nach Meinung von Analysten heute nicht mehr so viel Dollar auf die Geldwaage wie bei der Gründung. Der stürmische Aktienmarkt, die schwache Wirtschaft und die langsame Integration der beiden Unternehmensteile wirkten wie ein Mühlstein auf den Schultern des Brokerhauses. Entsprechend verlief das Buhlen um Anlagegelder neuer Kunden schleppend.
Morgan Stanley hat allerdings auch ein Interesse, den Wertverlust besonders hoch zu veranschlagen, um den Kaufpreis zu drücken, während die Citigroup versuchen wird, den ursprünglich in der Bilanz gebuchten Betrag aufrechtzuerhalten. Eine hohe Abschreibung könnte bei der Citigroup auch Kritiker auf den Plan rufen. Diese könnten die Art, wie die Citigroup ihre Vermögensgegenstände bilanziert, in Frage stellen. Die Citigroup wollte sich dazu nicht äußern.
Unstimmigkeiten über den Kaufpreis dürften den Deal aber zumindest nicht platzen lassen. Es wird erwartet, dass Morgan Stanley ihren Anteil von 51 Prozent auf 65 Prozent ausbauen wird. Die US-Großbank besitzt weitere Kaufoptionen in den kommenden Jahren und wird Morgan Stanley Smith Barney wahrscheinlich bis zum Jahr 2014 komplett übernehmen. Dann dürfte der Zusatz Smith Barney wegfallen.
Die Vollübernahme ist ein Schlüsselelement der Strategie von Morgan-Stanley-Chef James Gorman, die Abhängigkeit vom Sales & Trading-Geschäft zu reduzieren. Auch die Citigroup könnte von dem Deal profitieren und zusätzliches Kapital in ihre Kassen spülen. Zudem könnte die Nummer 3 auf dem US-Bankenmarkt sich stärker auf ihren Kernbereich - das Filial- und Kreditgeschäft -konzentrieren.
Obwohl das Gemeinschaftsunternehmen einst mit viel Optimismus startete, kam Morgan Stanley Smith Barney nie richtig weg vom Fleck. Die Vorsteuermarge lag 2011 bei rund 10 Prozent und damit gerade einmal bei der Hälfte des von Morgan Stanley anvisierten Werts. Die Kundeneinlagen fielen um etwa 20 Milliarden Dollar auf 1,65 Billionen Dollar zurück. Vor diesem Hintergrund macht der angepeilte Neustart durchaus Sinn.
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