Investmentecke
Immobilienfinanzierung: Wulff-Konditionen für alle
27.01.2012 - 09:00 | Quelle: Investmentecke
Beim Blick auf die Kredite, die die ganze Affäre überhaupt zum Rollen gebracht haben, ist allerdings anzumerken, dass die Konditionen ganz nüchtern betrachtet, nicht so weit aus der Welt sind, als dass man von einem Skandal sprechen könnte. Abgesehen von dem anfänglichen Privatkredit, der wohl eher Kreditnehmer- freundlich ausgestaltet war (was für einen Privatkredit aber nicht ungewöhnlich ist), sind die anschließenden BW-Bank-Konditionen nicht besonders alarmierend.
Ein kurzfristiges Geldmarktdarlehen mit variablem Zins ist bei einer Darlehenssumme von 500.000 Euro zwar ziemlich gewagt (unser scheinbar so biederer Bundespräsident ist eben doch ein gewiefter Zocker, der ja auch ein paar "gute" eigen-finanzoptimierende Freunde hat, die sich mit Kapitalmarkt auskennen), der sich daraus ergebende niedrige Zinssatz zwischen 0,9 und 2,1 Prozent folgte dabei einfach den allgemein rekordtiefen Zinsen jener Zeit. Dies wiederum sollten eigentlich auch die berichtenden Medien gemerkt haben, weil sie im Frühjahr 2010 in ähnlich großen Lettern darüber lamentiert haben, dass Sparer wegen der niedrigen Zinsen nichts mehr für ihr Geld bekommen. Oder anders: Niedrige Zinsen sind schlecht für Sparer und gut für Kreditnehmer; Banalität statt Skandal.
Ähnlich sieht es mit dem jetzt abgeschlossenen "normalen" Finanzierungsdarlehen aus. Wer die entsprechenden Konditionen (Volltilger, 15 Jahre Zinsbindung, selbst bewohnte Immobilie in Burgwedel usw.) bei Interhyp in den Modellrechner eintippt, der kommt zu ganz ähnlichen Kreditbedingungen wie sie auch der Bundespräsident erhalten hat. Dazu muss man wissen, dass diese Konditionen tatsächlich stark schwanken und man an einem "guten Tag" schnell ein paar Nachkommastellen bei der Verzinsung einsparen kann.
In Summe heißt das: Die Wulff-Konditionen waren sicher immer am unteren Ende der allgemein zugänglichen Konditionen, echtes Skandalpotenzial lässt sich daraus aber beim besten Willen nicht ableiten. Irritierend ist allenfalls, dass die Kreditvergabe offenbar ohne jedes Eigenkapital erfolgte. Dem kann aber entgegengehalten werden, dass ein Bundespräsident und langjähriger Ministerpräsident so hohe Pensionsansprüche vorweisen kann, dass er bei der "Bonitätsbewertung" jeder Bank zwangsläufig besser abschneidet als 99,9 Prozent der Rest-Bevölkerung. Oder können Sie ein von der Bundesrepublik Deutschland gesichertes (Triple A) lebenslanges Jahreseinkommen von 199.000 Euro vorweisen? Und dies ist nur der Ehrensold für das Bundespräsidentenamt...
Wer trotzdem meint, die Finanzierungskonditionen bei der eigenen Hausbank seien viel schlechter als die von Herrn Wulff, dem sei zugerufen, dass ein Konditionenvergleich in Finanzangelegenheiten oft wahre Wunder bewirkt. Und das nicht nur bei Bundespräsidenten.
Ralf Andreß





