Noch beliefert Magna alle großen Autokonzerne. Doch was passiert, wenn das österreichisch-kanadische Unternehmen Opel übernimmt? Volkswagen hat sich Gedanken gemacht - und spricht eine deutliche Drohung aus.
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Europas größter Autobauer VW will genau darauf achten, wie Magna Opel behandelt, sollte der Zulieferer den Rüsselsheimer Autohersteller übernehmen. Offenbar fürchten die Wolfsburger, Opel könne bevorzugt behandelt werden.
"Wir beobachten mit Argwohn, was da passiert", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag in Wolfsburg. "Bei der Vergabe von neuen Aufträgen werden wir sicher genau überdenken, ob damit eventuell ein Wettbewerbsnachteil für uns entstehen würde." Bei kleinen Zuliefererteilen sehe er keine Probleme, bei komplexen hingegen schon. "Da könnte eine Situation entstehen, die für mich nicht akzeptabel wäre."
Damit deutet sich ein neues Hindernis für Magna bei der geplanten Opel-Übernahme an. VW hat als größter Autokonzern Europas und wichtiger Arbeitgeber in mehreren Bundesländern auch ein großes politisches Gewicht.
Zwar entscheidet formal die ehemalige Opel-Mutter General Motors über den Opel-Verkauf, die deutsche Politik hat aber ein Wort mitzureden, da sowohl Magna als auch der Konkurrenzbieter RHJ milliardenschwere Hilfen des deutschen Steuerzahlers in ihre Übernahmekonzepte eingeplant haben.
Am Donnerstag hatte der kanadisch-österreichische Zulieferer bekannt gegeben, einen unterschriftsreifen Vertrag bei GM eingereicht zu haben, den die Amerikaner nun prüfen werden. Magna wertete dies als Durchbruch und sieht sich auf der Zielgeraden. Allerdings hatte der in Belgien ansässige Finanzinvestor RHJ bereits zuvor ein Konkurrenz-Dokument vorgelegt. Der Hersteller aus Detroit muss sich zwischen beiden Offerten entscheiden.
GM-Verhandlungsführer John Smith bekräftigte am Freitag in einem Internet-Blog, das Rennen um Opel sei offen, und RHJ habe Chancen, zum Zuge zu kommen. Es gebe keine Einigung mit Magna und dessen russischem Partner, der Sberbank.
Dass das Rennen um Opel völlig offen ist und sogar die Bundesregierung ein Stück von ihrer klaren Präferenz für Magna abrückt, machten am Freitag auch Worte des stellvertretenden Regierungssprechers Klaus Vater deutlich.
Teil 2: Opel-Task-Force kommt zusammen
Er stimme der Aussage des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) nicht zu, wonach Bund und Länder sich einig seien, dass es Staatsbürgschaften nur für Magna geben könne, sagte Vater. Das bedeutet: Die Regierung hält sich Staatsbürgschaften zur Rettung des deutschen Traditionsherstellers auch für andere Interessenten als Magna offen. Außer dem Zulieferer ist nur noch RHJ im Rennen.
Althaus hatte gesagt: "Die Länder mit Opel-Standorten und der Bund sind sich einig: Wir unterstützen eine Entscheidung mit Bürgschaften nur, wenn GM Magna den Zuschlag gibt." Hessens Ministerpräsident Roland Koch hatte sich vor wenigen Wochen ähnlich geäußert. Neben Hessen und Thüringen gibt es Opel-Fabriken in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
Die Ministerpräsidenten aller vier Opel-Länder favorisieren Magna. Sie haben Angst, der Finanzinvestor RHJ könne nur auf schnellen Profit aus sein, Opel zerschlagen und die Teile dann weiterverkaufen.
Nach Informationen der FTD gibt es keine verbindliche Vereinbarung, wonach nur Magna für den Opel-Kauf deutsche Staatshilfen bekommen könnte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich jüngst deutlich für Magna und seine russischen Partner ausgesprochen. Danach stimmten Beobachter des Bieterwettstreits darin überein: Die Regierung werde auf keinen Fall einen anderen Opel-Käufer akzeptieren.
Bei einem Treffen mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew am Freitag wiederholte Merkel ihre Aussage: "Ich habe noch einmal deutlich gemacht, dass die Bundesrepublik Deutschland für die Vorschläge von Magna, bei denen ja die Kooperation mit Russland ein Teil ist, auch eine hohe Präferenz hat."
Die von Bund und Ländern eingesetzte Opel-Task-Force will an diesem Montag die beiden vorliegenden Übernahmeangebote für Opel prüfen. Wie lange Bund und Länder brauchen werden, um die beiden Offerten zu prüfen, ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums unklar. Die Verträge würden derzeit unter die Lupe genommen. In erster Linie sei es aber Sache GMs, die Angebote zu bewerten, sagte ein Sprecher des Ministeriums.