Der Wehrdienst wird im Oktober von neun auf sechs Monate verkürzt werden, die Grundausbildung von drei auf zwei Monate. Ist die allgemeine Wehrpflicht noch zeitgemäß?
Am Nachmittag kommen die Optimisten auf Europas Parkett zurück - die wichtigsten Leitindizes kehren der Verlustzone allesamt den Rücken. Die Aktie von Bayer ist europaweit der schwächste Wert.
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Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 1,3 % auf 5686 Zähler, der Stoxx 50 rückte 1,2 % auf 2469 Punkte vor. Der Londoner FTSE 100 wurde zum Handelsschluss 1 % fester errechnet, der CAC 40 gewann 1,2 %.
Berichte über einen möglichen Zahlungsausfall des Emirates Dubai dominierten am Freitag europaweit das Handelsgeschehen. Der Wüstenstaat hatte um einen Zahlungsaufschub für zwei Staatsunternehmen gebeten und damit weltweit für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt. Die Spekulationen trieben den VDax in die Höhe. Der Volatilitätsindex misst die Risikobereitschaft der Anleger und stieg um 6,2 % auf ein Dreieinhalb-Wochen-Hoch von 31 Punkten und hat binnen zwei Tagen rund 31 % zugelegt. So stark war er zuletzt Mitte Oktober 2008 gestiegen.
Zahlen vom europäischen Wirtschafts- und Industrievertrauen fanden an einem umsatzschwachen Tag wenig Beachtung - und das obwohl sie besser ausfielen als erwartet . Der entsprechende Index stieg von 86,1 Zählern im Oktober auf 88,8 Punkte im November, Experten waren lediglich von einem Anstieg auf 88 Zähler ausgegangen.
Doch nicht alle Marktteilnehmer sehen in den Spekulationen um Dubai den Grund für die Unsicherheit unter Investoren. Thomas Nagel, Aktienhändler von Equinet, kann in den Berichten um das Emirat nichts Neues erkennen: "Das ist nur eine vorgeschobene Begründung. In meinen Augen haben wir es hier mit Carry Trades zu tun, das auch kann jeder über die Währungen nachvollziehen." Bei Carry Trades nimmt ein Anleger am Devisenmarkt einen Kredit in einer Währung mit einem relativ niedrigen Zinsniveau auf, um ihn sogleich in eine Währung mit verhältnismäßig hohen Zinsen zu investieren. Weiter rechnet Nagel mit einem weiter volatilen Marktumfeld in der kommenden Zeit. Der Markt steige momentan unter Angst: "Wir quälen uns langsam hoch, keiner ist dabei bereit den Dax nach oben zu kaufen" stellt er fest.
Finanztitel im Blickpunkt
Europaweit standen am Freitag Bankentitel im Blickpunkt der Anleger. Anteilsscheine von Lloyds verbilligten sich um 1,2 %. Die Eigentümer der größten britischen Privatkundenbank hatten am Nachmittag die Kapitalerhöhung über 15 Mrd Euro genehmigt. Die Anteilsscheine des niederländischen Finanzdienstleisters ING notierten zum Wochenschluss 4,3 % leichter. Das Unternehmen hatte Bezugsrechte zur bevorstehenden Kapitalerhöhung bekanntgegeben: Demnach soll der Preis bei 4,24 Euro pro Aktie liegen. Das Angebot liegt damit 52,4 % unter dem Schlusskurs von Donnerstag und würde für eine Verwässerung von rund 90 % der Anteile bisheriger Aktionäre sorgen.
Hierzulande zeigte sich die Aktie der Deutschen Bank unbeeindruckt und verließ den Handel mit einem Plus von 2,8 %. Das Institut hatte am Donnerstag nach Börsenschluss bekanntgegeben, dass Thomas Mayer das Amt des Chefvolkswirten von Norbert Walter zum 1. Januar 2010 übernehmen werde. Titel der Commerzbank stiegen 2,3 %. Ebenfalls zulegen konnte das Papier von UBS. Es profitiert von den Aussagen eines Sprechers, das Institut habe ein "kleines aber nicht bedeutendes Kreditrisiko" in Dubai. Anleger honorierten das - die Aktie stieg 2,6 %. Papiere von Unicredit rückten 3,1 % vor.
Bayer baut Schulden ab
Die Aktie von Bayer ging mit einem Abschlag von 0,2 % aus dem Handel. Vorstandschef Werner Wenning zufolge bestünde wieder Spielraum für größere Zukäufe. Der Pharma- und Chemiekonzern hatte in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 die Verschuldung um ein Viertel auf 10,7 Mrd. Euro abbauen können. Wenning betonte, Bayer werde keine "finanziellen Abenteuer" machen und hielt sich zu Berichten um ein Interesse des Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi am Kunststoffgeschäft "MaterialScience" bedeckt: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Marktgerüchten." Der Chemiebranchendienst "ICIS" hatte den IPIC-Vorsitzenden Khadem al Qubaisi mit den Worten zitiert: "Bayer MaterialScience ist eines der Unternehmen, mit denen wir gesprochen haben."
ThyssenKrupp-Papiere gewannen 2 %. Der Stahlkonzern will im laufenden Geschäftsjahr 20.000 Stellen streichen. Konzernchef Ekkehard Schulz kündigte darüber hinaus Verkäufe von Tochtergesellschaften und Einschnitte in der Verwaltung an. Der Konzern will noch im laufenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren.
Papiere von Eon legten zum Wochenende 1,3 % zu. Einem Bericht der FTD zufolge geht die EU-Kommission dem Verdacht wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens am Gasmarkt nach. Die Behörde wirft dem Tochterunternehmen Ruhrgas vor, für eine Verknappung der Transportkapazitäten im Ferngasnetz gesorgt zu haben. Laut Branchenkreisen verhandeln beide Seiten derzeit über einen Kompromiss - bei erheblichen Zugeständnissen von Eon könnte die Kommission von einer Untersuchung absehen.
Infineon profitiert von Vorstandsaussagen
Infineon-Papiere gingen 4,7 % fester aus dem Handel. Die Vorstände Peter Bauer und Marco Schroeter sagten dem "Handelsblatt", dass das Unternehmen über Zukäufe nachdenke, derzeit jedoch noch keine konkreten Pläne habe. Weiter gehe man von einem positiven Umfeld für Chiphersteller in den nächsten drei bis vier Jahren aus. Größter Gewinner im Dax waren die Papiere von Volkswagen, die sich um 6,4 %
verteuerten. Börsenrelevante Nachrichten lagen nicht vor.