FTD: MAN-Chef stürzt über KorruptionsaffäreImmobilienmarkt treibt Dow auf Jahreshoch
24.11.2009 - 07:14
Der Lastwagenbauer ist tief in einen Schmiergeldskandal verstrickt: Unternehmenschef Samuelsson zieht die Konsequenzen und tritt zurück - wohl auch deshalb, weil MAN-Chefaufseher Piëch nicht mehr hinter ihm stand.Die Euphorie ist zurück: Daten vom US-Häusermarkt und Kommentare der Fed steigerten die Laune der Anleger - und zogen den Dow auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.
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Der 58-Jährige verlasse MAN auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung, teilte der Lkw- und Maschinenbaukonzern am Montag überraschend mit. "Samuelsson ist zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte", so das Unternehmen. Zum kommissarischen Nachfolger ernannte der Aufsichtsrat das Vorstandsmitglied Georg Pachta-Reyhofen, bislang Chef der Dieselsparte.
MAN steht im Verdacht, den Verkauf von Lastwagen und Bussen über Jahre hinweg mit Bestechungsgeldern angekurbelt zu haben. Gegen Hakan Samuelsson persönlich ermittelten die Behörden nicht als Beschuldigten. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es allerdings, der Manager habe verhindern wollen, als Konsequenz aus der Affäre aus seinem Amt gedrängt zu werden. Branchenkreisen zufolge steht zudem Ferdinand Piëch - der Chefaufseher des MAN-Aktionärs Volkswagen - nicht mehr hinter Samuelsson.
Der MAN-Chef hatte in den vergangenen Monaten hart durchgegriffen und fast alle Spitzenmanager im Vertrieb ausgetauscht. Über 100 Personen gelten als Beschuldigte. Insgesamt sollen über Jahre hinweg 14 Mio. Euro Bestechungsgelder geflossen sein. Wegen der Affäre hatte MAN einen eigenen Bereich für Korruptionsbekämpfung eingerichtet. Am 11. Dezember sollte Samuelsson im Aufsichtsrat über das Ausmaß der Affäre berichten.
Ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft zeigte sich erstaunt über den Rücktritt: "Wir sind selbst überrascht." Es gebe keine Hinweise, dass sich die Schmiergeldaffäre ausweite.
Die IG Metall hingegen begrüßte den Abgang des Spitzenmanagers. "Mit dem Rücktritt wird nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang", sagte der bayerische Gewerkschaftschef Werner Neugebauer. Ein Manager wie Samuelsson werde letztlich auch dafür bezahlt, im Zweifelsfall mit seinem Amt für Verfehlungen seines Konzerns zu haften.
An den Märkten sorgte der Rücktritt für Spekulationen hinsichtlich der Lkw-Pläne von MAN-Aktionär Volkswagen. Viele Anleger glauben, dass die Wolfsburger den Konzern nun schneller mit seiner schwedischen Nutzfahrzeugtochter Scania verschmelzen können. Die MAN-Aktie schoss zeitweise um knapp fünf Prozent nach oben und schloss mit einem leichten Plus. Das Papier von Scania stieg in Stockholm zeitweise um 2,2 Prozent.
"Ich bin mir sicher, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen MAN und Scania für 2010 ganz weit oben auf der Agenda des VW-Konzerns steht", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Bislang halten die Wolfsburger knapp 30 Prozent an MAN und 70 Prozent an Scania. Ein Sprecher von Volkswagen wollte sich nicht äußern.
Bereits in der Vergangenheit hatte das VW-Management angekündigt, den Konzern umzubauen und einen Schwertransportbereich zu schaffen. Dort sollen die Marken Scania, MAN und womöglich die Pkw-Nutzfahrzeuge gebündelt werden.
Samuelsson hatte MAN nach seinem Amtsantritt als Vorstandschef im Jahr 2004 saniert und zu einem internationalen Player aufgebaut. Mit dem Kauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts von VW im Dezember und einer Beteiligung am chinesischen Lkw-Bauer Sinotruk war der Konzern im vergangenen Jahr zum drittgrößten Lkw-Hersteller weltweit aufgestiegen - nach
Positive Konjunkturdaten haben den New Yorker Börsen am Montag Auftrieb verliehen. So wurden nach Angaben der Vereinigung der US-Immobilienmakler im Oktober mit einem Zuwachs von 10,1 % deutlich mehr bestehende Eigenheime verkauft als im Vormonat.
Zudem hob die Aussicht auf weiter billiges Geld die Stimmung der Anleger: Fed-Vertreter James Bullard sagte, die US-Notenbank sollte ihr Ankaufprogramm von mit Hypothekenkrediten besicherten Wertpapieren verlängern, um Politik und Federal Reserve mehr Handlungsmöglichkeiten im Kampf gegen die Rezession zu verschaffen. Damit dürften die Leitzinsen vorerst nicht angehoben werden, sagte Peter Bookvar von Miller Tabak & Co. "Der Markt liebt das."
Der Dow-Jones-Index schloss 1,3 % höher bei 10.450 Punkten und damit so hoch wie seit mehr als einem Jahr nicht. Im Handelsverlauf pendelte er dabei zwischen 10.320 und 10.495 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 legte 1,4 % auf 1106 Zähler zu. Der Technologie-Index Nasdaq gewann ebenfalls 1,4 % auf 2176 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax 2,4 % höher bei 5801 Zählern.
An der Wall Street profitierten Aktien von Pharma- und von Versicherungskonzernen davon, dass die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama eine wichtige Hürde im Senat nahm. Die Papiere von Pharma-Branchenprimus Pfizer stiegen um rund ein %, die Anteilsscheine des Versicherers WellPoint notierten 4,6 % höher.
Am Technologiemarkt zeigten sich die Aktien von Google unbeeindruckt von einem Bericht, wonach Erzrivale Microsoft und der Medienkonzern News Corp an einer Partnerschaft schmieden, mit der Inhalte aus dem Murdoch-Medienimperium künftig nicht bei mehr bei Google auftauchen sollen. Microsoft biete News Corp dafür Geld an, sagte eine mit der Situation vertraute Situation. Die Google-Papiere legten dennoch um 2,2 % zu, während die Anteilsscheine von Microsoft um 1,1 % und die von News Corp nur um 0,3 % stiegen.
Nortel bereitet Sorgen
Die Aktien des Technologiekonzerns Ciena gaben rund 9 % nach. Das Unternehmen hatte sich zuvor im Bieterwettstreit mit dem deutsch-finnischen Netzwerkspezialisten Nokia Siemens Networks um Geschäftsteile des bankrotten kanadischen Konkurrenten Nortel durchgesetzt und für 769 Mio. Euro den Zuschlag erhalten. Anleger bereiteten aber die Integration der Nortel-Teile und der gestiegene Schuldenberg Sorgen.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,98 Mrd. Aktien den Besitzer 2341 Werte legten zu, 666 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,83 Mrd. Aktien 1911 im Plus, 772 im Minus und 137 unverändert.
An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen auf 100-30/32. Sie rentierten mit 3,362 %. Die 30-jährigen Bonds kletterten auf 101-15/32 und hatten eine Rendite von 4,287 %.