US-Moderatorin Oprah Winfrey will ihre Talkshow am 9. September 2011 einstellen. Deutsche Talkmaster sollten die verbleibenden Episoden aufmerksam studieren. Denn sie können von Winfrey lernen.
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Beichtvater spielen - wenn es sich lohnt
Bei Johannes B. Kerner beichtete Angela Merkel, ihr seien gelegentlich schon mal die Rouladen angebrannt, und CSU-Chef Horst Seehofer gestand in der Talkshow, noch nie einen Döner gegessen zu haben. Puh! Wenn Oprah ihre Bühne in einen Beichtstuhl verwandelt, packen die Promis dagegen echte Schocker aus: Michael Jackson sprach bei ihr erstmals über seine Pigmentstörung, Whitney Houston über ihre Drogensucht.
Zur geheimen Macht werden
Wenn Oprah im Fernsehen ankündigt, keine Hamburger mehr zu essen, bricht der Umsatz der Rindfleischindustrie ein. Lobt sie ein Buch, wird es zum Bestseller. Und wenn sie einen Präsidentenkandidaten empfiehlt, wird er gewählt. Neulich thematisierte sie in ihrer Show, dass die Dänen die glücklichsten Menschen der Welt sein sollen. Sie pries die Däninnen, die viel Fahrrad fahren, sich gesund ernähren, bei Arbeitslosigkeit Unterstützung vom Staat bekommen und ansonsten keinen Drang zur Ehe verspüren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn demnächst die Menschen in den USA aufhörten zu heiraten und für mehr Geld vom Staat demonstrierten. Wenn Oprah sagt, dass das gut ist ...
Den Sendeschluss im Auge haben
Bei aller Talk-Glorie beherzigt Oprah die Weisheit "respice finem" - bedenke das Ende. Mit derselben Akribie, mit der andere Frauen ihre Hochzeit planen, habe sie bereits ihre Beerdigung organisiert, erzählt ein Freund. Der Sarg ist gekauft, Blumenschmuck und Musikauswahl sind festgelegt, sogar das Parfüm, das die tote Oprah dereinst tragen soll. Der Tod von Lady Di habe ihr diesbezüglich die Augen geöffnet, sagte Winfrey: "Du kannst in einem Schloss wohnen und eine Prinzessin sein und am Ende doch gegen die Mauer fahren." Eine Mahnung für alle anderen Talkmaster - damit der Absturz ins Nachtprogramm oder Regionalfernsehen nicht so überraschend kommt.
Die kleinen Freuden des Lebens feiern
Auch nach 25 Jahren Talkerfahrung entlockt ihr der profanste Alltagsschwank noch Verzückungsschreie. So sang Winfrey im Gespräch mit Schauspielerin Kate Winslet eine Hymne auf die Weiblichkeit: "Ich liebe die Tatsache, dass du echte Brüste hast. Denn in allen Brust-Szenen tun deine Brüste das, was echte Brüste tun." Wie man echte Brüste erkennt? "Es ist eine wundervolle Sache, dass, wenn man eine Frau ist und sich auf den Rücken legt, die Brüste sich teilen. Aber wenn man eine Frau ansieht, die keine echten Brüste hat, dann zeigen ihre Brüste weiter gerade nach oben." Der Busen-Tratsch gipfelte in einer Seligsprechung: "Gott segne deine echten Brüste!" Völlig schlüssig: Manche Menschen glauben immerhin, nur der Papst sei mächtiger als Oprah.
Mit den eigenen Pfunden wuchern
Ihre Diäten sind Legende und beschäftigen ganz Amerika. Effektvoll deshalb ihr Auftritt 1988: Nach einer intensiven Fastenkur zog Winfrey einen Wagen auf die Bühne, beladen mit 30 Kilo Fett. So viel, erklärte sie dem Publikum, habe sie in den letzten Wochen abgespeckt.
Nicht immer nur plappern
Mittlerweile managt Oprah ein Imperium: ein Printmagazin, einen Buchklub, eine TV-Firma, einen Radiosender, einen Fernsehkanal und eine Hilfsorganisation. Insider schätzen ihr Vermögen auf über 2,5 Mrd. $, den Jahresverdienst auf 260 Mio.
Das Publikum mehr antörnen
Klatschen? Laaangweilig! Ein Publikum muss brüllen, jubeln, hysterisch von den Sitzen aufspringen! Wir wissen nicht genau, was die Oprah-Crew vor der Show so verteilt, aber mit einem Gläschen Sekt dürfte es gewiss nicht getan sein. Apropos verteilen: Es könnte helfen, kleine Geschenke an das Publikum auszugeben Oprah war bisher sehr erfolgreich damit: Ihre Zuschauer durften schon mit Autos einem Kühlschrank oder Schuhen nach Hause gehen. Einmal verteilte sie sogar an jede Frau im Publikum einen Mann. "Einfach so, ohne monatelanges Daten!", sagte sie. Wer so agiert, darf keine Angst vor echten Ausrastern haben. Tom Cruise etwa sorgte unter den Zuschauerinnen erst für ein Kreischkonzert und hopste anschließend selbst auf dem Sofa seiner Gastgeberin herum, um das Ausmaß seiner Verliebtheit zu demonstrieren. Da verschwimmt der Unterschied zwischen Fernsehstudio und Gummizelle mitunter. Aber wer eine Oprah werden will, muss das aushalten.
Autor/Autoren: Marike Frick, Lasse Osteneck, Anja Rützel