Laut Merrill wollen sich Europas Fondsmanager wieder defensiver positionieren. Ob das Timing passt, ist fraglich. Doch wenn man sieht, was in den zyklischen Branchen schon alles an Gewinnsteigerungen unterstellt ist, ist das auf Sicht von zwölf Monaten vermutlich keine schlechte Idee.
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Die Konsensmeinung ist immer falsch, heißt es. Insofern kann man schon skeptisch werden, wenn die von Merrill Lynch befragten Fondsmanager im November angegeben haben, dass sie sich wieder etwas defensiver positionieren wollen. Das ist zwar nur in Europa der Fall. Aber man kann es verstehen. Denn obwohl am Anfang des Jahres fast jeder Stratege defensive Sektoren empfohlen hatte, haben Versorger, Pharma und Telekoms 2009 bisher am schlechtesten abgeschnitten (Nahrungsmittel sind gut gelaufen). Da wundert es kaum, dass die relative Bewertung der erstgenannten Branchen laut Morgan Stanley nun im Vergleich zu früheren Niveaus niedrig anmutet.
Mehr noch: Während in den Branchen des zyklischen Konsums für 2010 und 2011 nun Gewinnsteigerungen von 73,5 und 33 Prozent unterstellt sind, in den Industriebranchen 33 und 27 Prozent, bei Grundstoffen 45 und 33 Prozent, im IT-Sektor 63 und 23 Prozent, sind es bei den Versorgen nur 4 und 8, bei den Telekoms 6 und 7, im Gesundheitsbereich 8,5 und 8 Prozent. Da muss der atemberaubende Anstieg der Ifo-Erwartungen noch Monate anhalten und dann konsolidiert werden, damit die Wette auf die Zykliker weiter aufgehen kann. Hingegen ist die geschätzte Dividendenrendite von Pharma (3,4), Versorgern (4,9) und Telekoms (5,9) nicht nur überdurchschnittlich, sondern auch höher als die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Trotz aller spezifischen Probleme der defensiven Sektoren scheint das Verhältnis von Chancen und Risiken hier noch am besten.