HAMBURG (dpa-AFX) - Das Milliardenprojekt zur Privatisierung von Bundeswehr-Lagern und -Transporten könnte einem Pressebericht zufolge kippen. Kurz vor Ablauf der Angebotsfrist am 30. November hat nach "Financial Times Deutschland" (Montag) die Deutsche-Post-Tochter DHL einen Rückzieher gemacht. In den DHL-Gremien habe keine Zustimmung für ein Angebot gegeben, weil die mit dem Auftrag verbundenen Risiken als zu groß galten. Die Konzernmutter Deutsche Post bestätigte der Zeitung die Informationen. DHL habe dem Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass die Post-Tochter kein Angebot für die Bundeswehrlogistik abgeben werde. Die finanziellen Rahmenbedingungen seien nicht interessant genug.
Anzeige
Damit blieben nur noch zwei Bewerber um den Zehnjahresvertrag: Ein Gemeinschaftsunternehmen aus dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und dem Logistikunternehmen Hellmann sowie die Bahn-Tochter Schenker in Kooperation mit dem Rüstungsspezialunternehmen ESG. Dem Zeitplan zufolge soll im Frühjahr feststehen, wer künftig 16 Materiallager mit rund 2.000 zivilen Bundeswehr-Angestellten betreibt. Die Privatisierung der Bundeswehrlogistik soll zum 1. Juli erfolgen. Experten taxieren den Auftragswert auf rund eine Milliarde Euro. Weil das Projekt den Bundestag passieren muss und standortpolitisch umstritten ist, könnte es aber noch scheitern oder sich erneut verzögern.
Logistikexperten verwiesen laut Zeitung darauf, dass die Anbieter wenig Spielraum für eine rentable Kalkulation haben. "Die neue Struktur der Bundeswehr steht noch nicht fest, aber es soll eine Zehnjahresplanung geben das geht nicht", sagte ein Insider. So gebe es Pläne über die Schließung von rund der Hälfte der Lager und gleichzeitig auch für den Neubau von Lagern. "Es gibt viele offene Fragen: Von rechtlichen Risiken des Betriebs über die Einbindung in die Datennetze bis hin zur Mehrwertsteuerbelastung, die für private Anbieter fällig wird, hieß es. Es sei daher unklar, ob die Bundeswehr die erwünschten Einsparungen nicht selbst erzielen könne. Beim Bund hieß es laut "FTD", die Vergabe erfolge nur, wenn das wirtschaftlichste Angebot weniger Ausgaben verursache als eine interne Optimierung./nl