Im ersten Schock nach Ausbruch der Finanzkrise gelobten die Banker reihenweise Besserung. Konkrete Initiativen kamen aber vor allem aus der Politik. Die Finanzwelt zieht angesichts des Aufschwungs nur zögerlich mit.
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Als vor knapp einem halben Jahr noch nicht klar war, ob die Talfahrt an den Märkten weitergeht, war unter Bankern Reue angesagt. Josef Ackermann warnte etwa im Juni: "Es wird nach der Krise große Banken geben, die sich den globalen Kuchen aufteilen. Dadurch gibt es die Gefahr von oligopolistischen Strukturen." Nur vier Monate und einen goldenen Aktiensommer später sprach der Chef der Deutschen Bank wieder über Größe - dieses Mal kam er allerdings zu einem anderen Schluss: "Größe an sich ist nicht unbedingt etwas Schlechtes", sagte Ackermann im Oktober auf einer Regulierungskonferenz in London.
Reue, so der Eindruck, ist schon wieder out. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob Banken genau so weitermachen wie vor der Krise. An der Wall Street zeichnet sich ab, dass die drei überlebenden Branchengrößen Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan in diesem Jahr rund 20 Mrd. Euro Boni ausschütten werden. Das wären 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg errechnet hat.
Der schnelle Gewinn
Gerade die Gesetze einer guten Unternehmensführung und das Bewusstsein von unternehmerischer Verantwortung hätten helfen können, die schlimmsten Exzesse der Finanz-und Wirtschaftskrise zu verhindern. Schließlich waren es gerade kurzfristige Leistungsanreize, die die Hatz nach schnellen und nicht nachhaltigen Gewinnen gefördert haben.
Und wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass sich im aktuellen Good-Company-Rating der 90 größten Konzerne in Europa des Centers for Corporate Citizenship der Universität Eichstätt-Ingolstadt die erste Bank erst auf Rang 39 findet und die letzten 15 Ränge des Rankings von nicht weniger als acht Finanzdienstleistern besetzt werden.
Doch der Verdacht liegt nahe, dass ausgerechnet das stark gestiegene Interesse an Corporate Responsibility im Vorfeld der Finanzkrise zu einer gewissen Beliebigkeit geführt hat, in deren Folge das Thema mehr schmückendes Beiwerk und ein Instrument vor allem der PR und Öffentlichkeitsarbeit denn Leitlinie unternehmerischen Handelns war. Konnten vor fünf Jahren noch nicht einmal die Hälfte der im Dax 30 gelisteten Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, so weisen von den 30 im Dax gelisteten Unternehmen derzeit bereits 27 ein entsprechendes Rechenschaftswerk auf, wie eine Studie der auf Investor-Relations spezialisierten Agentur Blackpoint Communications ermittelt hat.
Doch nicht nur der Begriff - die Berichte der Dax-Unternehmen tragen nicht weniger als zwölf verschiedene Titel - wirft Abgrenzungsprobleme auf. Selbst in der akademischen Lehre ist umstritten, inwiefern eine nachhaltige Unternehmensführung unter Berücksichtigung sozialer, ethischer und ökologischer Aspekte vom Kapitalmarkt oder Konsumenten honoriert wird. "Von 20 Untersuchungen kann nur die Hälfte der Arbeiten allgemein einen positiven Zusammenhang zwischen nachhaltig-verantwortungsvoller Unternehmensführung und Finanzerfolg belegen", sagt Klaus-Michael Menz, Abteilungsdirektor im Corporate Bond Management von HSBC Global Asset Management.
Ein ähnlich diffuses Bild zeigt sich auch bei nachhaltigen Geldanlagen: Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young betrug der Anteil nachhaltiger Kapitalanlagen am europäischen Gesamtmarkt 2007 rund 18 Prozent -
2700 Mrd. Euro flossen in diese Art der Investments. Marktbeobachter gehen davon aus, dass infolge der Finanzkrise der Marktanteil des nachhaltigen Investments weiter wachsen wird.
Im Zuge der Finanzkrise mussten viele Anleger dennoch erfahren, dass sich die Kursentwicklung von über 100 Indexzertifikaten und 60 Investmentfonds mit einem Anlageschwerpunkt auf Unternehmen mit einer ökologischen, ethischen oder sozialen Ausrichtung ihres Handels in der Krise allenfalls marginal von der des Gesamtmarkts unterschied.
Die Staats- und Regierungschefs sind sich einig
Dass sich dennoch etwas bewegt, ist weniger ein Verdienst der Unternehmen denn der Politik. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar vorgestellte "Charta des nachhaltigen Wirtschaftens" soll unter dem Dach der Vereinten Nationen Nachhaltigkeit als Prinzip der Weltwirtschaft verankern. Auf dem G20-Wirtschaftsgipfel Ende September in Pittsburgh verständigten sich die Staats- und Regierungschefs, die Zahlungen von Boni zu begrenzen.
Zwar räumten die Banken auch im Vorfeld des Kongresses Fehler ein und zeigten sich bereit, neue Regeln zu akzeptieren. Nachdem die Änderungen in Pittsburgh beschlossen waren, ging es den Bankern dann plötzlich viel zu schnell. "Wir unterstützen, was in Pittsburgh passiert", sagte damals Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken. Es gehe darum, Vertrauen wieder herzustellen. Aber der Bankenpräsident warnte davor, neue Regeln zu schnell einzuführen und so die Erholung der Wirtschaft zu gefährden.
Dennoch ist der Gipfel eine Zäsur, denn er institutionalisiert erstmals Nachhaltigkeit: Grenzüberschreitende Banken müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital absichern. Auch die Gesamtverschuldung großer Banken soll begrenzt werden. Europäer und Amerikaner verpflichten sich zudem, ihre Buchführungsregeln anzugleichen. Auf diese neuen Regeln hatten sich die Regierungen in Pittsburgh geeinigt. Die Vorschriften sollen 2010 umgesetzt werden, aber erst 2012 in Kraft treten. Die G20-Staaten glauben, dass die Folgen der Finanzkrise für die Banken dann ausgestanden sind.
Auch die Maßnahmen gegen Steueroasen sollten verschärft werden. Und dann wäre da noch die Bezahlung der Banker. Die Boni müssen an den langfristigen Erfolg der Bank gekoppelt werden, außerdem muss ein wesentlicher Teil als Aktien oder Aktienoptionen ausgegeben werden. Schließlich soll die Bezahlung der Manager im Verhältnis zur Bilanzsumme oder dem Eigenkapital einer Bank begrenzt werden, hieß es beim Weltfinanzgipfel.
Politiker lobten die Ergebnisse: "Es deutet sich an, dass wir erreicht haben, dass die Regeln für die Finanzmarktarchitektur deutlich verbessert und konkretisiert wurden", lautete damals das Statement des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück. Von Pittsburgh gehe das Signal aus: "Die Staatengemeinschaft zieht an einem Strang."
Doch ziehen die Banken mit? Langsam schon, aber nur mit viel Druck. Französische Banker haben sich etwa bereits auf neue Boniregeln geeinigt. Demnach muss es in Frankreich künftig immer auch das Gegenteil eines Bonus geben, den Malus. Dieser soll das Gehalt der Banker schmälern, wenn es zu Verlusten kommt. Das Druckmittel der Regierung: Wer sich nicht daran hält, darf mit staatlichen Firmen und der öffentlichen Hand keine Geschäfte mehr machen. Auch im Kampf gegen Steueroasen gibt es Erfolge: Inzwischen haben die meisten Länder ihren jahrelangen Widerstand gegen die Lockerung des Bankgeheimnisses aufgegeben.