ANALYSE/SocGen warnt vor riesiger chinesischer "Blase"
17.09.2009 - 13:12
Das heutige China lasse sich mit dem Japan der frühen 80er Jahre vergleichen, sagt Societe Generale. Damals - am Vorabend seiner finanziellen Liberalisierung - sei Japan die aufstrebende östliche Macht gewesen, die sich anschickte, den Westen zu überholen. Das Land sei jünger gewesen und habe ein rasantes Wachstum erlebt, und es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, ehe diese Blase platzte. China sei nun an einem vergleichbaren Punkt angelangt, sagen die Analysten.
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Seit dem Platzen der japanischen Blase schlügen sich dort Anleger und Politiker mit Deflation herum. Zugleich gebe es eine unübersichtliche Zahl von Theorien, die zu erklären versuchten, was schiefgelaufen sei und wie ähnliche Situationen in der Zukunft vermieden werden könnten.
Die Ursache für die Deflation in Japan liege aber womöglich weniger an der Verschuldung des Landes, sondern sei vielmehr demographisch begründet. Vor diesem Hintergrund gäben die Nebenwirkungen des laufenden Konjunkturprogramms wohl eher Anlass zur Sorge, weil es auf die Wiederbelebung von Toten abziele, statt eine gewöhnliche Grippewelle zu bekämpfen.
Japan sei die erste industriell geprägte Volkswirtschaft, die demographisch bedingt schrumpfe. Dank seiner Ein-Kind-Politik werde sich China bald in einer ähnlichen Situation befinden.
Gleichwohl dürfte China nicht unmittelbar das gleiche Schicksal erleiden wie Japan. Ein Vergleich der beiden Länder zeige, dass Japan viele Probleme, die auf China zukämen, schon erlebt habe. Die demographische Situation sei nur eines von mehreren Problemen.
Die Analysten verweisen auf die überstrapazierte Währungsdiplomatie und den Vorwurf, Exporte höher zu stellen als die Binnennachfrage. Sie erinnern an die Bewunderung des Westens für den konfuzianisch geprägten Kapitalismus und den Eindruck, dass der Aufstieg einer großen östlichen Macht unvermeidlich sei. Was vor 30 Jahren für Japan gegolten habe, treffe nun auf China zu.
Societe Generale sieht jedoch noch mehr Parallelen. Mit dem Entstehen der japanischen Blase hätten sich auch die Machtverhältnisse zugunsten von Japan verschoben. Die derzeit zu beobachtende geopolitische Verschiebung Richtung China stelle die damalige Entwicklung und womöglich auch alles andere in der Geschichte der modernen Welt aber in den Schatten. Eine entsprechende "seismische Manie" hätte Exzesse zur Folge, die weit über bisherige Übertreibungen hinausgingen.
Die Erfahrungen Japans zeigten auch, was solche Übertreibungen künftig auslösen könnte, nämlich die Öffnung des Kapitalmarkts. In der Geschichte fänden sich genügend Beispiele für Fehlentwicklungen als Folge von Liberalsierungen. Die japanische Blase habe ihre Ursache direkt im Wegfall von Kontrollen der internationalen Kapitalflüsse und des Bankwesens in den frühen 80er Jahren. China schlage einen ähnlichen Weg ein, indem es - wenn auch zaghaft - eine größere Bedeutung für den Renminbi anstrebe. Die vollständige Öffnung könnte indessen die Bildung der bisher größten Blase in der Geschichte ermöglichen, warnen die Analysten.