Magna geht leer aus und wird Opel nicht übernehmen. Doch was produziert der kanadisch-österreichische Zulieferer? FTD.de gibt einen Überblick über Sparten und Produkte.
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Magna ist der drittgrößte Autozulieferer der Welt. 2008 erwirtschaftete der kanadisch-österreichische Konzern einen Umsatz von 23,7 Mrd. $. Damit lag Magna deutlich hinter Weltmarktführer Bosch (rund 65,7 Mrd. $) und dem japanischen Denso-Konzern (40,1 Mrd. $).
Zuletzt musste Magna einen massiven Umsatzeinbruch wegstecken: So sanken die Erlöse im zweiten Quartal 2009 um 45 Prozent, das Nordamerikageschäft gab um mehr als die Hälfte nach. Grund war vor allem die Pleite von General Motors, einem der wichtigsten Kunden des Zulieferers.
Allein GM-Aufträge brachten Magna im abgelaufenen Geschäftsjahr 5 Mrd. $ ein. Zweitwichtigster Geschäftspartner war BMW (4,4 Mrd. $), dahinter folgten Ford (3 3 Mrd. $), Chrysler (2,9 Mrd. $) und Daimler (2,3 Mrd. $).
Doch was produziert der Zulieferer mit seinen 74.350 Angestellten genau? FTD.de gibt einen Überblick.
Außen- und Innenausstattung: Magna Exteriors and Interiors
Exteriors and Interiors ist die wichtigste Magna-Sparte nach Umsatz. 2008 erlöste der Konzern damit 7,8 Mrd. $ (2007: 8,1 Mrd.) - also gut ein Drittel des Gesamtumsatzes.
Exteriors and Interiors stellt Front- und Hecksysteme her, Außenverkleidungen, Dächer sowie Tür- und Seitenverkleidungen. So stammen die Säulenverkleidungen der BMW-3er-Serie und des X3 von Magna. Beim Mini steuert die Sparte unter anderem Cockpitmodul und Oberflächendesign bei. Für die C-Klasse von Mercedes-Benz liefert Exteriors and Interiors Türverkleidungen und Teppiche.
Neben den großen Autoherstellern der Welt gehört auch der russische Gaz-Konzern zu den Kunden, der indische Nano-Bauer Tata sowie der Chopperschrauber Harley-Davidson. Auch die Lkw-Hersteller MAN und Volvo ordern Innen- und Außenausstattung bei Magna.
Die Deutschland-Zentrale von Exteriors and Interiors befindet sich in Sailauf bei Aschaffenburg. Produktionsstätten betreibt die Sparte unter anderem in Hannover und Sulzbach.
Karosserien und Fahrwerke: Cosma International
Mit einem Umsatz von 4,6 Mrd. $ im abgelaufenen Geschäftsjahr (2007: 5,3 Mrd.) ist Cosma die zweitgrößte Sparte im Konzern. Sie produziert Karosserien vor allem für Gelände- und Kleinlastwagen.
Prominente Träger des Metallkorsetts sind der BMW X5 sowie die 3er-Serie. Für den Mini One und den Mini Cooper von BMW liefert Cosma Unterbodenelemente. Weitere Kunden sind unter anderem Hyundai, Jaguar und Toyota.
In Deutschland produziert Cosma in Bopfingen und Heiligenstadt. Entwicklungsstandorte sind Köln, der Daimler-Standort Sindelfinden sowie der Audi-Sitz Ingolstadt.
Antriebe: Magna Powertrain
Powertrain produziert Antriebe und Fahrwerksteuerungen. So stammt das Allradsystem der BMW-3er-Serie, des X3 sowie des VW-Transporters von der Magna-Tochter.
Mit mehr als 50 Kunden weltweit - darunter alle namhaften Autohersteller -
erlöste die drittgrößte Sparte des Konzerns nach Umsatz 2008 rund 3,4 Mrd. $
(2007: 3,8 Mrd.).
In Deutschland produziert Powertrain im sachsen-anhaltinischen Roitzsch und kooperiert mit einem Werk in Hesse.
Entwicklung und Produktion: Magna Steyr
Magna Steyr mit Sitz im österreichischen Oberwaltersdorf ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen. Für einige Kunden schraubt die Konzerntochter auch ganze Modellreihen zusammen.
So baut Magna Steyr den Jeep Commander, Jeep Grand Cherokee, den Chrysler 300C, den BMW X3, das Saab 9-3 Cabriolet und die Mercedes-Benz G-Klasse.
Chrysler und Porsche wenden sich ab
Für Chrysler soll Magna künftig allerdings keine Autos mehr bauen. Magna verliere die Fertigungsaufträge, solle aber weiter Teile an Chrysler liefern, wurde Ende September bekannt. Fiat-Chef Sergio Marchionne, der nach der Übernahme auch Chrysler führt, wolle wieder mehr im eigenen Haus produzieren. Beim Poker im Opel hatte auch Fiat Interesse signsisiert, war jedoch schon frühzeitig ausgeschieden.
Bisher wollte Porsche zudem seine Einstiegsmodelle Boxster und Cayman ab 2012 in Graz produzieren zu lassen. Bis dato werden diese Fahrzeuge bei dem Zulieferer Valmet in Finnland gebaut. Doch der Porsche-Mutterkonzern VW ist gar nicht entzückt darüber, dass sich Magna durch die Opel-Übernahme mit einem Rivalen verbündet. Daher denkt man in Wolfsburg darüber nach, mit der Montage der beiden Porsche-Modelle den insolventen Zulieferer Karmann zu beauftragen.
Daimler bleibt Magna dagegen treu und gab dem Zulieferer jüngst einen neuen Auftrag. Die Aluminiumkarosserie des neuen Mercedes-Benz SLS AMG werde bei Magna in Graz entwickelt und produziert. Das Modell soll im Frühjahr 2010 auf den Markt kommen.
In Deutschland produziert Magna Steyr in Grevenbroich. Entwicklungsstandorte gibt es in München, Sindelfingen, Wolfsburg und Ingolstadt - in Städten also, an denen die größten deutschen Autobauer ihre Zentralen haben. 2008 erlöste die Sparte 3,3 Mrd. $, im Jahr zuvor waren es 4 Mrd. $.
Elektronik: Magna Electronics
Seit den frühen 80er-Jahren entwickelt und produziert Magna auch Autoelektronik. Dazu zählen Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme, Motor- und Sensorelektronik sowie Beleuchtung.
Beim Ford Escape beispielweise steuert die Sparte das Fahrerassistenzsystem mit Rückfahrkamera bei. Zu den weiteren Kunden zählen BMW, Daimler, Peugeot und Volkswagen.
2008 erlöste Magna Mirrors, zu der auch Electronics gehört, rund 1,7 Mrd. $
(2007: 1,8 Mrd.). In Sailauf betreibt die Sparte ein eigenes Entwicklungszentrum
Schließsysteme: Magna Closures
Die Sparte stellt Türmodule, Fenster und elektrische Schließsysteme her. 2008 setzte Magna Closures rund 1,1 Mrd. $ um. Vor Jahresfrist waren es noch 1,3 Mrd.
$.
Für den Chrysler Town & Country beispielsweise liefert Magna Closures Teile der Türmodule sowie das Schließsystem der Schiebetür. Die C-Klasse von Mercedes-Benz und BMWs Mini erhalten Türmodule von Magna, der Ford Escape die Heckscheiben. Weitere Kunden sind unter anderem Ford, Fiat, Honda und Mitsubishi
In Deutschland wird Magna Closures über die Sailaufer Zentrale gesteuert. Produktionsstandort ist Bremen, in München befinden sich Produktentwicklung und Vertrieb.
Sitzsysteme: Magna Seating
Magna Seating stellt Sitze und Sitzmechanismussysteme her. So erhält der VW-Transporter seine Komplettsitze von der Sparte. Für Modelle wie den Chrysler Town & Country oder den Escape von Ford steuert Magna Sitzteile bei. Die Sitzproduktion in Deutschland ist integriert in die Ausstattungssparte Magna Exteriors and Interiors.
Sichtsysteme: Magna Mirrors
Magna Mirrors konstruiert und fertigt Innen- und Außenspiegel, Türgriffsysteme und Videosysteme wie Einparkhilfen oder Toter-Winkel-Überwachung.
Sowohl BMWs 3er-Serie als auch X3, Mini und die C-Klasse von Mercedes-Benz erhalten Spiegel von Magna. Zu den weiteren Kunden zählen unter anderem Ferrari, Porsche und die russische Awtowaz.
Auch Mirrors hat die Zentrale in Sailauf, dort wird auch entwickelt, ebenso wie in Wolfsburg. Dazu kommen deutschlandweit noch mehrere Produktionsstätten.
Dachsysteme: Magna Car Top Systems
Soft Tops, Hard Tops: Die Sparte stellt Dächer in allen Variationen sowie integrierte Trägersysteme her.
Die Zentrale der Magna Dachsysteme ist in Bietigheim-Bissingen, dem Heimatort von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Magna Car Top Systems produziert unter anderem in Bremen.