Nicht kleckern, sondern klotzen - das scheint die Devise vieler Landesbanker gewesen zu sein. Beim Jonglieren mit Milliarden kauften sie Ausflugsschiffe oder ganze Berge - nicht nur zum Vorteil des Steuerzahlers.
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"Wozu braucht ein Banker einen tonnenschweren Geländeschlitten als Dienstwagen?", wundert sich Thomas Böwer. Mit einer Anfrage in der Hamburger Bürgerschaft hat der SPD-Abgeordnete zutage gefördert, dass die angeschlagene HSH Nordbank über einen ansehnlichen Fuhrpark für ihr Führungspersonal verfügt: 62 Fahrzeuge, darunter S-Klasse und A8, aber auch gleich vier geländegängige Luxus-SUV Audi Q7. Zudem zweimal die M-Klasse, das Konkurrenzmodell von Mercedes - und sogar einen Mini-Cooper. "Damit auch die Vorstandssekretärin angemessen Dienstwagen fahren kann", sagt Böwer kopfschüttelnd. Die Bank legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass es eine Führungskraft und keine Sekretärin sei, die mit dem Mini unterwegs ist.
Die Aufregung wäre kaum so groß, wenn die Landesbank, an der Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligt sind, nicht gleichzeitig Milliardenverluste eingefahren hätte: 2,7 waren es im vergangenen Jahr, 30 Mrd. Euro Garantien für die Emission von Anleihen bekam die HSH vom staatlichen Banken-Hilfsfonds Soffin. Für Furore sorgt auch, dass die klamme Bank in Besitz eines 28 Meter langen Ausflugsschiffs ist. Die Bank-Barkasse namens "Merkur II" wird jetzt für 300 Euro pro Stunde vermietet - um Defizite zu begrenzen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll Licht in das HSH-Debakel bringen.
Bis Ende 2010 sollen sich die angeschlagenen Landesbanken in Deutschland neu erfinden: Ihre Zahl soll von derzeit sieben auf drei schrumpfen, Geschäftsfelder und Mitarbeiterstärke sollen drastisch reduziert werden. Darauf dringen Bund und EU. Mit ihren derzeitigen Geschäftsmodellen haben die Institute, zum Großteil in der Hand von Ländern und Sparkassen, Riesenverluste angehäuft. Das liegt daran, dass sie in Wertpapiere investiert haben, die sich als toxisch entpuppten, aber auch am großspurigen Verprassen.
Ein Blick in die Bilanzen zeigt: Viele Landesbanker leben und arbeiten auf großem Fuß - nicht nur die HSH Nordbank steht wegen sonderbarer Engagements in der Kritik.
Beispiel BayernLB. Noch sperrt sich vor allem Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gegen die Fusionspläne aus Berlin und Brüssel. Dabei steht seine Landesbank besonders in der Kritik: 11 Mio. Euro Minus brachte den Bayern-Bankern im vergangenen Jahr das Schlosshotel Velden ein. Einst hatte Roy Black das Anwesen mit dem traumhaftem Ambiente in der TV-Serie "Schloss am Wörthersee" berühmt gemacht.
Die BayernLB, die 2008 rund 5 Mrd. Euro Miese einfuhr, war vor zwei Jahren durch die Übernahme der Hypo Alpe Adria zum Herrn von Schloss Velden geworden. Nicht ihr einziges Pleite-Engagement: Auch ein Luxushotel am Obersalzberg - während der NS-Diktatur stand hier Hitlers Feriendomizil - bringt den Bayern jedes Jahr Millionenverluste.
Auf ein zartes Plus von 8000 Euro im vergangenen Jahr kam dagegen die NordLB mit ihrem Engagement auf dem Brocken. 2007 hatte das Institut, das für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Landesbank ist den höchsten Berg des Nordens samt Sendemast und Hotel gemeinsam mit der Harz-Gemeinde Werningerode erworben. Richtig dicke für die NordLB kam es dagegen mit Aktienpaketen, die die Bank im Auftrag der Beteiligungsgesellschaft Vatas gekauft hatte: Bei Vatas sitzt der einstige "Vorzeigeunternehmer" Lars Windhorst am Ruder. Zunächst blieb die NordLB auf den Windhorst-Papieren - unter anderem vom Handyzulieferer Balda - sitzen. Es folgten Wertberichtigungen in Höhe von 132 Mio. Euro, der verantwortliche Vorstand durfte gehen.
Auf wackeligen Engagements könnte auch die Landesbank Baden Württemberg sitzen: Sie investierte mit Ion Tiriac, dem einstigen Manager von Tennis-Star Boris Becker, in ein Büro- und Wohnprojekt in Bukarest. 70 Mio. Euro kostet die Anlage, in der es laut Medienberichten Vermarktungsschwierigkeiten gibt. Die LBBW - Verlust 2008: 2,1 Mrd. Euro - beharrt jedoch darauf, ihr Engagement sei "risikolos".
Ein hohes Risiko ist dagegen die Landesbank Berlin (LBB), inzwischen allein in der Hand der Sparkassen, im Ihme-Zentrum eingegangen: Zeitungen nennen die Wohn- und Shoppinganlage unweit der City von Hannover mittlerweile den "größten Schrotthaufen Niedersachsens". Seit Februar ruhen hier die Umbauarbeiten. Bei der Errichtung Anfang der 70er hatte der fast einen Kilometer lange Bau das größte Fundament Europas, rund 2000 Menschen wohnen hier. Nun haben sich Töchter des US-Finanzinvestors Carlyle beim Umbau einer riesigen Einkaufspassage im Ihme-Zentrum verhoben. 200 Mio. Euro sollten investiert werden. Jetzt regiert hier der Insolvenzverwalter. Hauptgläubigerin des Minus-Projekts: die LBB.
Die Landesbanken können sich auf Abspecken auf das Wesentliche einstellen. Kritiker fragen bereits, ob eine Bank wie die hochdefizitäre WestLB weiter in Besitz eines Anwesens wie dem Wasserschloss Krickenbeck bleiben muss. In der Anlage, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammt, veranstaltet eine WestLB-Tochter Konferenzen und Tagungen. Dazu gehört ein 100 Hektar großes Naturschutzgebiet. Ob Schloss Krickenbeck Plus oder Minus einfährt, werde nicht veröffentlicht, sagt ein Sprecher. Das "Akademie" genannte Tagungshotel müsse zudem keine Gewinne machen, hier fänden vorangig Fortbildungsmaßnahmen für WestLB-Mitarbeiter statt.
Auch, ob die Landesbanken auf der ganzen Welt verstreut mit eigenen Filialen vertreten sein müssen, wird debattiert. So hat die vergleichsweise solide Helaba Landesbank von Hessen und Thüringen, Dependancen in Paris, New York und Moskau
- wie viele ihrer Kolleginnen. In Mumbai residiert so neben der Helaba die Landesbank Baden Württemberg und die NordLB.